Von den Zinsen leben heißt: Die laufenden Erträge deines Vermögens decken dauerhaft deine Lebenshaltungskosten, ohne dass du die Substanz aufzehrst. Zu diesen Erträgen zählen Zinsen, Dividenden, Ausschüttungen und Mieten. So rechnen wir bei ak. den Kapitalbedarf aus: benötigtes Kapital = Jahresentnahme geteilt durch die Entnahmerate. Bei einer als nachhaltig geltenden Entnahmerate von 3 bis 4 Prozent brauchst du grob das 25- bis 33-Fache deiner Jahresausgaben. Bei 60.000 Euro Bedarf im Jahr sind das also rund 1,5 bis 2 Millionen Euro. Das ist eine Rechenlogik, keine Rendite- oder Ergebniszusage.
Diese Frage stellen sich vor allem Menschen kurz vor oder im Ruhestand. Ebenso alle, die finanzielle Unabhängigkeit anstreben oder nach einem Unternehmensverkauf plötzlich eine größere Summe strukturieren müssen. Die ehrliche Antwort ist keine einzelne Zahl. Sie besteht aus einer nachvollziehbaren Rechenlogik und einem klaren Blick auf die Risiken, die darüber entscheiden, ob die Rechnung über Jahrzehnte trägt.
Was bedeutet es, von den Zinsen (Kapitalerträgen) zu leben?
Du lebst von den Zinsen, wenn die laufenden Kapitalerträge deines Vermögens deine Lebenshaltungskosten decken und die Substanz erhalten bleibt. Realistisch geht es dabei längst nicht nur um klassische Zinsen. Die Erträge kommen aus mehreren Quellen: Dividenden aus Aktien, Zinsen aus Anleihen oder Festgeld, Ausschüttungen aus Fonds und ETFs sowie Mieteinnahmen aus Immobilien.
Der zentrale Begriff dabei ist die Entnahmerate. Sie beschreibt, welchen Anteil deines Vermögens du pro Jahr entnimmst, um davon zu leben. Entscheidend ist der Unterschied zwischen Substanzerhalt und Substanzverzehr: Wer nur die laufenden Erträge entnimmt und das Kapital arbeiten lässt, erhält die Substanz. Wer mehr entnimmt, als das Vermögen erwirtschaftet, zehrt es nach und nach auf.
Ein Punkt wird gern übersehen: Die Inflation musst du von Anfang an mitdenken. Denn wenn deine Entnahme über die Jahre die gleiche Kaufkraft behalten soll, darf die Entnahmerate nicht zu hoch angesetzt sein. Als grobe Orientierung gelten 3 bis 4 Prozent als nachhaltig.
Wie berechnest du das benötigte Kapital?
Die Grundformel ist einfach:
Benötigtes Kapital = gewünschte Jahresentnahme geteilt durch die angenommene reale Entnahmerate.
Je vorsichtiger du die Entnahmerate ansetzt, desto höher fällt der Kapitalbedarf aus. Und genau hier lohnt sich ein Blick auf die berühmte 4-Prozent-Regel.
Die 4-Prozent-Regel als Orientierung
Ihren Ursprung hat sie beim US-Finanzplaner William Bengen, der 1994 eine anfängliche Entnahmerate von rund 4,15 Prozent als über 30 Jahre tragfähig ermittelte. Die Trinity-Studie von Cooley, Hubbard und Walz, veröffentlicht im Februar 1998 im AAII Journal, prüfte das an US-Daten. Ein je zur Hälfte aus Aktien und Anleihen bestehendes Portfolio überstand in 95 Prozent aller untersuchten 30-Jahres-Zeiträume eine inflationsangepasste Entnahme von 4 Prozent. Heute liegt die Einordnung je nach Studie und Annahmen etwa zwischen 3 und 4,7 Prozent. Die Spanne im Überblick:
- William Bengen hat seinen Wert laut Berichten in einer jüngeren Analyse auf rund 4,7 Prozent angehoben.
- Morningstar nennt eher rund 3,7 Prozent.
- Vanguard nennt eine Spanne von 3,5 bis 4,5 Prozent.
Wichtig zur Einordnung: Diese 4-Prozent-Regel beruht auf historischen US-Daten und ist eine Faustregel, keine Garantie. Sie sagt nichts über deine persönliche Situation, über deutsche Rahmenbedingungen oder über künftige Märkte aus. Deshalb rechnen wir mit einer Bandbreite statt mit einer einzigen Zahl. Welche Entnahmerate für dich realistisch ist, hängt eng an deiner Anlagestrategie: erst die Struktur, dann das einzelne Wertpapier. Wie das konkret aussieht, zeigen wir dir in unseren 3 Praxisbeispielen, wie du jetzt anlegen kannst.
Die Formel lässt sich auch als Vielfaches merken: Bei 4 Prozent Entnahmerate brauchst du das 25-Fache deiner Jahresausgaben, bei 3,5 Prozent rund das 29-Fache und bei 3 Prozent das 33-Fache. Was den Bedarf zusätzlich erhöht, sind der Inflationsausgleich über die Zeit, eine sinnvolle Liquiditätsreserve sowie die steuerliche Belastung der Erträge. Kapitalerträge unterliegen steuerlichen Regelungen, die deine Nettoentnahme mindern und den Kapitalbedarf tendenziell erhöhen. Wie sich das in deinem Fall auswirkt, klärst du am besten mit deiner Steuerberaterin oder deinem Steuerberater.
Wie viel Kapital brauchst du für 3.000, 5.000 oder 10.000 Euro im Monat?
Setzt du die Formel in konkrete Zahlen um, ergeben sich als Größenordnung diese Werte. Bei ak. nutzen wir das als grobe Orientierung, nicht als Zusage:
| Monatsbedarf | Jahresentnahme | Kapital bei 4 % | Kapital bei 3,5 % |
|---|---|---|---|
| 3.000 € | 36.000 € | rund 900.000 € | rund 1,03 Mio. € |
| 5.000 € | 60.000 € | rund 1,5 Mio. € | rund 1,71 Mio. € |
| 10.000 € | 120.000 € | rund 3,0 Mio. € | rund 3,43 Mio. € |
Grobe Rechenlogik, keine Rendite- oder Ergebniszusage. Beträge vor Steuern.
Ein Rechenbeispiel macht das greifbar: Michael, 58, möchte im Ruhestand rund 5.000 Euro im Monat aus seinem Vermögen entnehmen, also 60.000 Euro im Jahr. Rechnet er mit einer vorsichtigen Entnahmerate von 3,5 Prozent, landet er bei einer Größenordnung von rund 1,71 Millionen Euro. Wichtig ist dabei: Das ist die Rechenlogik hinter seinem Kapitalbedarf, kein garantiertes Ergebnis und keine zugesagte Rendite. Ob sein Vermögen die Entnahme über die Jahre tatsächlich trägt, hängt vom Marktverlauf, von der Inflation und von der Struktur seines Portfolios ab.
Je niedriger die angenommene Entnahmerate, desto größer die nötige Summe. Wie viel Kapital am Ende „genug“ ist, hat deshalb weniger mit einer festen Millionengrenze zu tun als mit dem Verhältnis von Ausgaben zu Vermögen. Wo dabei die Schwellen liegen, ab denen man überhaupt als vermögend gilt, haben wir uns angeschaut in unserem Beitrag dazu, ab welchem Kontostand man als reich gilt.
Welche Anlageformen eignen sich für regelmäßige Erträge?
Regelmäßige Erträge kommen selten aus einer einzigen Quelle. Sie entstehen aus einem breit gestreuten Mix mehrerer Anlageklassen:
- ausschüttende Aktien und Aktienfonds, die Dividenden liefern
- Anleihen und Festgeld für planbare Zinserträge
- ausschüttende Fonds und ETFs
- Immobilien mit ihren Mieteinnahmen
- ergänzende Bausteine wie Gold, das selbst keinen laufenden Ertrag bringt, aber der Stabilität dienen kann
Wenn du tiefer einsteigen willst, lies unseren Beitrag dazu, ob und wie du in Gold investieren solltest.
Eine feste Quote, also „so viel Prozent Aktien, so viel Anleihen, so viel Gold“, geben wir hier bewusst nicht vor. Die passende Aufteilung, in der Fachsprache die strategische Asset Allocation, hängt von deinen Zielen, deinem Zeithorizont und deiner Risikotragfähigkeit ab. Sie wird individuell festgelegt, nicht nach Schema. Das gehört in ein persönliches Gespräch und nicht in eine pauschale Faustregel.
Warum Zeit im Markt mehr zählt als Timing
Viele Anlegerinnen und Anleger warten auf den perfekten Einstiegszeitpunkt. Das ist selten die beste Strategie. Wichtiger als perfektes Timing ist, überhaupt investiert zu sein. Der Grundsatz dazu heißt: time in the market beats timing the market. Zeit im Markt schlägt den Versuch, den perfekten Moment zu treffen.
Belegen lässt sich das mit dem DAX-Rendite-Dreieck des Deutschen Aktieninstituts (Stand 31. Dezember 2025): Wer bei einer Einmalanlage breit gestreut über rund 20 Jahre investiert blieb, erlitt in der Vergangenheit keine Verluste. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Die historische Durchschnittsrendite lässt sich also nicht einfach in die Zukunft fortschreiben und schon gar nicht als erwartbare Rendite in deine Kapitalrechnung übernehmen.
Für ak. gilt deshalb der gleiche rote Faden wie bei jeder Anlagefrage: erst die Strategie, dann das Wertpapier. Und statt vieler Einzelaktien eine echte Diversifikation über mehrere Anlageklassen mit unterschiedlichem Risikoprofil. Eine solche Struktur will man aufbauen und dann diszipliniert halten, auch wenn es an den Märkten zwischendurch ruppig wird. Schwankungen gehören dazu.
Welche Risiken gibt es beim Leben von Kapitalerträgen?
So einfach die Formel aussieht, so sehr entscheiden vier Risiken darüber, ob deine Rechnung dauerhaft aufgeht.
Inflations- und Kaufkraftrisiko. Wenn die Verzinsung deines Giro- oder Tagesgeldkontos unter der Inflationsrate liegt, verliert dein Guthaben real an Kaufkraft. Bei rund 2 Prozent Inflation verliert unverzinstes Guthaben grob 2 Prozent Kaufkraft pro Jahr und über die Zeit summiert sich das. Die Inflationsrate in Deutschland lag 2025 im Jahresdurchschnitt bei plus 2,2 Prozent (Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 019 vom 16. Januar 2026). Die Konsequenz: Halte nur eine angemessene Liquiditätsreserve auf dem Konto und investiere den Rest inflationsbewusst, statt große Beträge unverzinst liegen zu lassen.
Sequenzrisiko. Dieses Risiko wird oft unterschätzt. Es beschreibt die Gefahr, dass schwache Marktjahre ausgerechnet zu Beginn deiner Entnahmephase deine Substanz dauerhaft schmälern. Wer in schwachen Anfangsjahren feste Beträge entnimmt, hat später weniger Kapital, um von der Erholung zu profitieren. Als kritischstes Fenster gilt rund 5 Jahre vor bis 10 Jahre nach dem Entnahmebeginn. Abfedern lässt sich das über eine ausreichende Liquiditätsreserve, über flexible Entnahmen in schwachen Jahren und über breite Diversifikation. Wie sehr es sich lohnt, in solchen Phasen ruhig zu bleiben, zeigt ein Blick darauf, warum es klug ist, ruhig investiert zu bleiben in Krisenzeiten.
Langlebigkeitsrisiko. Niemand kennt die eigene Lebensdauer. Dein Vermögen muss deshalb womöglich länger reichen als ursprünglich geplant. Je länger dein Horizont, desto konservativer solltest du die Entnahmerate ansetzen.
Steuerliche Belastung. Kapitalerträge unterliegen in Deutschland steuerlichen Regelungen, das mindert deine Nettoentnahme und erhöht den Kapitalbedarf. Wie sich das konkret auswirkt, hängt von deiner persönlichen Situation ab und gehört in die Hand deiner Steuerberaterin oder deines Steuerberaters.
Wie hilft ak., dass die Rechnung über die Zeit trägt?
Die eigentliche Frage ist nicht, ob eine Formel aufgeht, sondern ob dein Vermögen die gewünschte Entnahme über zwei, drei Jahrzehnte tatsächlich trägt. Genau das prüfen wir mit unserer Vermögen360-Analyse, die aus drei Bausteinen besteht.
Der ak. Optimizer macht zunächst deine bestehende Struktur sichtbar: Kosten, Klumpenrisiken und blinde Flecken im Portfolio. Das Herzstück für dieses Thema ist ak. Planning: Damit simulieren wir, ob und wie lange dein Vermögen die gewünschte Entnahme trägt, auch wenn die ersten Jahre schwach laufen. So lassen sich das Sequenz- und das Langlebigkeitsrisiko durchrechnen. Die ak. Simulation ergänzt das um Szenarien und Stresstests über die Zeit.
Dazu kommt die Family-Office-Gesamtsicht: Wir schauen auf alle deine Vermögenswerte, also auch auf Immobilien und Beteiligungen, nicht nur auf das Depot. Ob „von den Erträgen leben“ real trägt, entscheidet sich am Gesamtbild und nicht an einem einzelnen Baustein. Als Albrecht, Kitta & Co., unabhängige und inhabergeführte Vermögensverwaltung aus Hamburg, haben wir unsere Mandantinnen und Mandanten durch 2008 und durch 2020 begleitet. Diese Erfahrung prägt unsere Haltung: ruhig und diszipliniert investiert bleiben, gerade dann, wenn es ungemütlich wird. Mehr dazu, wie wir dabei vorgehen, findest du bei unserer Vermögensverwaltung.
Lass deine Wunsch-Entnahme durchrechnen
Ob deine Wunsch-Entnahme über die Jahre trägt, lässt sich rechnen, statt es zu hoffen. Genau das machen wir mit dir: Wir schauen uns dein Gesamtvermögen an, simulieren die Entnahme über die Zeit und zeigen dir, wo die Rechnung stabil ist und wo sie es noch nicht ist. Vereinbare dazu gern ein unverbindliches Erstgespräch.
Dieser Beitrag dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung, Anlageempfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Er ersetzt keine individuelle, auf deine persönliche Situation abgestimmte Beratung. Die Beispielrechnungen sind Rechenlogik und keine Zusage. Kapitalanlagen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.
Häufige Fragen zum Leben von Kapitalerträgen
Häufig gestellte Fragen
Kann ich auch mit weniger als 1 Million Euro von den Erträgen leben?
Ja, entscheidend ist das Verhältnis von Ausgaben zu Kapital und nicht eine feste Millionengrenze. Bei niedrigeren Lebenshaltungskosten reicht entsprechend weniger, die Rechenlogik (Jahresentnahme geteilt durch die Entnahmerate) bleibt gleich. In die Rechnung gehören auch Renten- und Mietansprüche sowie sonstige Rücklagen, nicht nur das Depot. Dieses Gesamtbild bilden wir mit ak. Planning ab, inklusive Inflation und Sequenzrisiko von Anfang an. Das ist eine Rechenlogik, kein Versprechen.
Was passiert, wenn die Märkte gerade zu Beginn meiner Entnahmephase schlecht laufen?
Das Sequenzrisiko beschreibt die Gefahr, dass Verluste in den ersten Entnahmejahren deine Substanz dauerhaft schmälern. Abfedern lässt es sich über eine ausreichende Liquiditätsreserve, flexible Entnahmen in schwachen Jahren und breite Diversifikation. Dieses Szenario rechnen wir mit ak. Planning durch.
Wie viel sollte ich in Aktien, Anleihen oder Gold halten, um regelmäßige Erträge zu erzielen?
Dafür gibt es bewusst keine pauschale Quote, die passende Aufteilung hängt von deinen Zielen, deinem Zeithorizont und deiner Risikotragfähigkeit ab. Wir leiten sie als strategische Asset Allocation aus deinem Gesamtvermögen ab, also inklusive Immobilien und Beteiligungen, im Rahmen der Vermögen360-Analyse. So entsteht die Aufteilung aus deiner Gesamtlage, nicht nach Schema.
Reicht mein Vermögen, wenn ich sehr alt werde?
Das Langlebigkeitsrisiko bezeichnet die Möglichkeit, dass dein Vermögen länger reichen muss als geplant. Weil niemand die eigene Lebensdauer kennt, sollte die Entnahmerate bei langem Horizont eher konservativ kalkuliert sein. Mit ak. Planning simulieren wir, wie lange dein Vermögen die gewünschte Entnahme trägt.
Sollte ich mein Vermögen sofort komplett investieren oder schrittweise?
Beide Wege sind möglich, wichtiger als der perfekte Zeitpunkt ist, überhaupt investiert zu sein: time in the market beats timing the market. Eine Liquiditätsreserve und breite Diversifikation nehmen dem Einstieg das Timing-Risiko. Wir haben unsere Mandantinnen und Mandanten durch 2008 und durch 2020 begleitet, unsere Erfahrung daraus: ruhig und diszipliniert investiert bleiben, statt auf den perfekten Moment zu warten.
Muss ich Kapitalerträge versteuern?
Ja, Kapitalerträge sind in Deutschland steuerpflichtig. Wie hoch die Belastung in deinem Fall ausfällt, hängt von deiner persönlichen Situation ab, das klärst du am besten mit deiner Steuerberaterin oder deinem Steuerberater.