Liebe Leserin, lieber Leser,
die Börsen werden aktuell von vielen Nachrichten hin- und hergetrieben, deswegen fassen wir in unserem Marktausblick alles zusammen, was Sie als Anleger über das kommende Quartal wissen müssen.
Vom Iran-Konflikt, steigenden Rohstoffpreisen, einem Wechsel an der Spitze der US-Notenbank und der KI-Revolution, die Gewinner zu Verlierern macht: Wir beantworten so kurz es geht die wichtigsten Fragen und zeigen, worauf es jetzt ankommt.
Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Insights finden Sie in der Executive Summary.
Michael Wittek, Portfoliomanagement Direktor bei ak.
MARKTAUSBLICK Q2 2026: Kürzer geht’s nicht
Chancen:
- Europäische Gewinnerwartungen im STOXX 600 steigen solide und eröffnen attraktive Chancen auf dem Kontinent
- Gold glänzt weiter: +65,66% in 2025 und 2026 geht’s stark weiter, trotzdem ist Gold kein Renditereiber, sondern ein Krisenschutz für jedes Portfolio
- Rohstoffe breit im Aufwind: Öl +60%, Silber +12%, Kupfer +7% YTD, ein neuer Rohstoff-Superzyklus ist möglich
- Hardware-Hersteller und Halbleiterproduzenten profitieren massiv von der KI-Nachfrage
Risiken:
- Iran-Konflikt kann die Aktienmärkte trotz kurzfristiger Erholung wieder drücken und Anleiherenditen nach oben treiben
- Gestiegene Rohstoffpreise befeuern die US-Inflation und setzen die Notenbanken unter Handlungsdruck
- Statt Zinssenkungen erwartet der Markt nun zwei EZB-Erhöhungen auf 2,5%
- Neuer Fed-Chef Kevin Warsh zwischen makroökonomischen Daten und politischem Druck durch Trump
- Durch die exponentiellen KI-Entwicklungen werden einst unantastbare Software-Giganten plötzlich verwundbar
Strategien:
- Anleihen: Solide Emittenten mit kurzen und mittleren Laufzeiten bevorzugen
- Aktien: Breite Diversifikation über Regionen und Branchen ist entscheidend, Europa dürfen nicht fehlen und Euro-Anleger sollten ihre Dollar-Quote prüfen
- Rohstoffe: Gold als Stabilitätsanker beibehalten, Rohstoffe wie Kupfer und Öl sind sehr volatil und Investments erfordern viel Know-How & aktives Management
- Und was noch? Geopolitik und Inflationstrends eng im Blick behalten und ggf. einen Cash-Puffer für Chancen beiseitelegen
Expertentipp:Für eine Balance aus Rendite und Vermögensschutz im unsicheren Umfeld empfehlen wir eine ausgewogene und weltweit diversifizierte Strategie mit ca. 5-10% Gold als Stabilitätsanker, ausgewählten europäischen Aktien für Überraschungspotenzial und einer vorsichtigen Anleihen-Auswahl für Flexibilität. Damit ist man für verschiedene Szenarien solide aufgestellt. ABER: Details, wie die genaue Aktienquote oder Momentum-Investments sind vom persönlichen Risikoprofil und Anlagehorizont abhängig.Hier beantworten wir die Frage „Wie soll ich jetzt mein Geld anlegen?“ im Detail: Zur Antwort von Chris Holzheu. |
WELTWIRTSCHAFT
Wie wirkt sich der Iran-Konflikt auf die Weltwirtschaft aus?
Erheblich. Der Iran-Konflikt ist derzeit einer der größten Belastungsfaktoren für die globalen Märkte. Er drückt auf die Aktienmärkte und lässt gleichzeitig die Anleiherenditen steigen, also eine doppelte Belastung für Anleger.
Besonders spürbar ist der Effekt bei den Rohstoffpreisen: Der Ölpreis ist auf über 100 US-Dollar gestiegen, was die Inflation in den USA wortwörtlich befeuert. Für Verbraucher bedeutet das höhere Spritpreise und steigende Lebenshaltungskosten. Für die Notenbanken wird es zunehmend schwieriger, den richtigen Kurs zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumsförderung zu finden.
Das historische Grundvertrauen in die USA als verlässlichen Partner hat massiv unter der Unzuverlässigkeit und der zunehmenden Konfrontationsneigung der Führung gelitten. Europa kann als weiterhin wahrgenommener geopolitischer Stabilitätsanker sogar davon profitieren und neue Partnerschaften und Abkommen schließen.
Was bedeutet Trumps Politik für die Märkte im Q2 2026?
Die Unsicherheit wächst, sowohl wirtschaftlich als auch politisch. Das wichtige Midterm-Wahljahr setzt die Trump-Administration unter Druck: Das Wählervertrauen ist durch die aggressive Außenpolitik und die hohen Spritpreise massiv gesunken.
Das zwingt die Regierung zu wohlwollender Innenpolitik. Gleichzeitig schießen die Militärausgaben in die Höhe, was die ohnehin angespannte Haushaltslage weiter belastet. Die globalen Risiken durch militärische Machtpolitik haben im ersten Quartal spürbar zugenommen.
Auf der anderen Seite ist der angekündigte Ausbau der KI-Infrastruktur in vollem Gange. Das erfordert massive Investitionen im Energiesektor, ein Wachstumstreiber, der allerdings auch den Rohstoffhunger der US-Wirtschaft weiter verschärft.

Braucht Europa mehr Unabhängigkeit?
Ja, dringend. Europa muss im Bereich kritischer Infrastruktur deutlich unabhängiger werden. Die Abhängigkeit von Energieimporten, Halbleitern und digitaler Infrastruktur hat sich als strategische Schwachstelle erwiesen.
Es bedarf Strukturreformen, um neue Wachstumsimpulse zu setzen. In Europa müssen fiskalpolitische Maßnahmen greifen, um die Investitionslücke zu schließen. Der Fokus auf den Ausbau der eigenen Produktionskapazitäten, etwa bei Halbleitern und erneuerbaren Energien, ist nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch geopolitisch notwendig.
Positiv: Die Einkaufsmanagerindizes in Europa hellen sich weiter auf. Die geplanten Infrastrukturinvestitionen und die expansive Fiskalpolitik könnten 2026 zu einer positiven Überraschung führen, besonders für den europäischen Aktienmarkt.
Wie entwickelt sich die Inflation in den USA und Europa?
Unterschiedlich und in beiden Regionen besorgniserregend. In den USA treiben die gestiegenen Rohstoffpreise die Inflation nach oben. Die Inflationsrate bewegt sich deutlich über dem 2%-Ziel der Fed, ein direkter Effekt der geopolitischen Spannungen und des Ölpreisanstiegs.
In der Eurozone sieht es auf den ersten Blick besser aus, doch auch hier steigen die Inflationserwartungen merklich. Die Zinsstrukturkurven haben sich seit April 2025 deutlich nach oben verschoben. Die Notenbanken stehen auf beiden Seiten des Atlantiks unter erheblichem Handlungsdruck.
Für Anleger bedeutet das: Inflationstrends müssen weiterhin eng beobachtet werden. Wer in festverzinsliche Wertpapiere investiert, sollte die reale Rendite nach Inflation im Blick behalten und nicht nur die nominale Verzinsung.
Marktausblick Q2 2026, Weltwirtschaft:Auf beiden Seiten des Atlantiks muss gehandelt werden! In Europa bedarf es Strukturreformen, um neue Wachstumsimpulse zu setzen. Auch die Unabhängigkeit kritischer Infrastruktur muss noch stärker in den Fokus rücken. In den USA wächst die Unsicherheit sowohl im Hinblick der wirtschaftlichen als auch der politischen Entwicklung. |
GELDPOLITIK
Warum erwartet der Markt plötzlich EZB-Zinserhöhungen statt -senkungen?
Weil sich die Lage fundamental geändert hat. Noch Ende 2025 rechneten Börsianer mit einer weiteren Zinssenkung der EZB. Doch die kurzfristig stark gestiegenen Inflationsraten haben das Bild komplett gedreht.
Aktuell werden für dieses Jahr zwei Erhöhungen von 2,0% auf 2,5% erwartet. Das ist eine bemerkenswerte Kehrtwende, die zeigt, wie dynamisch sich das geldpolitische Umfeld verändert hat. Die EZB wird von den steigenden Energiepreisen und der robusten Binnennachfrage unter Druck gesetzt.
Für Anleger ist das ein wichtiges Signal: Die Phase ultraniedrigen Zinsen ist endgültig vorbei. Höhere Zinsen bedeuten höhere Finanzierungskosten für Unternehmen und Staaten, aber auch attraktivere Renditen für konservative Anleger.
Was ändert sich mit dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh?
Potenziell sehr viel. Mit Kevin Warsh übernimmt ein von Donald Trump persönlich ernannter Notenbank-Chef das Ruder bei der Fed. Der Kapitalmarkt beobachtet diesen Wechsel mit großer Aufmerksamkeit.
Die zentrale Frage lautet: Kann Warsh seine Unabhängigkeit wahren? Die Fed läuft Gefahr, sich zwischen makroökonomischen Daten und politischem Druck entscheiden zu müssen. Trump hat wiederholt niedrigere Zinsen gefordert, und ein Zinsgeschenk des neuen Notenbank-Chefs an den Präsidenten ist nicht auszuschließen.
Das wäre jedoch gefährlich: Zu lockere Geldpolitik bei einer Staatsverschuldung von über 126% des BIP könnte die nächste Krise säen. Währungshüter sollten ihre Unabhängigkeit bewahren und nicht zu stark politischem Druck nachgeben.
Wie entwickeln sich die Inflationserwartungen am Kapitalmarkt?
Sie steigen, und das auf beiden Seiten des Atlantiks. Die US-Breakeven-Inflationsrate, also die Erwartungshaltung des Marktes an die zukünftige Inflation, ist seit Anfang März merklich gestiegen.
Gleiches gilt für Europa: Die Zinsstrukturkurven haben sich deutlich nach oben entwickelt. Die Kurve der deutschen Staatsanleihen von April 2026 liegt über alle Laufzeiten hinweg spürbar höher als noch ein Jahr zuvor. Das zeigt: Der Markt rechnet mit anhaltend höherer Inflation.
Für die Notenbanken ist das ein Warnsignal. Steigende Inflationserwartungen können sich selbst verstärken, wenn Unternehmen und Verbraucher beginnen, höhere Preise vorwegzunehmen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Geldpolitik glaubwürdig bleibt.
Was bedeutet die mögliche EZB-Leitzinserhöhung für Anleger?
Nach Jahren der Nullzinspolitik und der anschließenden rasanten Erhöhungen auf über 4% (2023) hat sich der Leitzins wieder in Richtung 2% entspannt, wobei der Markt den Trend gerne noch 1-2 Zinsschritte weiter gegangen wäre. Nun findet vermutlich eine recht plötzliche Erhöhung und damit ein Trendbruch statt.
Für Anleihe-Investoren bedeutet das: Neuemissionen bieten attraktivere Kupons als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig verlieren bestehende Anleihen mit niedrigen Kupons an Wert, wenn die Zinsen steigen. Wer in Anleihen investiert, sollte daher auf mittlere Laufzeiten setzen und allzu lange Bindungen vermeiden.
Für die Realwirtschaft ist ein Zinsniveau um 2,5% historisch betrachtet noch moderat. Es sollte das Wirtschaftswachstum nicht abwürgen, vorausgesetzt, die geopolitischen Risiken eskalieren nicht weiter.
Marktausblick Q2 2026, Geldpolitik:Mit großer Aufmerksamkeit wird der Kapitalmarkt den baldigen Fed-Chef Kevin Warsh beobachten. Die Fed läuft Gefahr, sich zwischen makroökonomischen Daten und politischem Druck entscheiden zu müssen: Die Ernennung von Warsh durch Donald Trump persönlich macht die Entscheidung wahrscheinlich nicht leichter. |
ANLEIHEN
Warum steigen die Anleiherenditen trotz der Erwartung höherer Zinsen?
Weil mehrere Faktoren gleichzeitig wirken. Die Anleihenmärkte taten sich vor dem Hintergrund der zunehmenden Inflationserwartungen schwer und verloren an Wert. Das ist die zentrale Herausforderung für Anleihe-Investoren im Q2 2026.
Die steigenden Renditen haben mehrere Ursachen: Erstens treiben die hohen Neuverschuldungen der Staaten das Angebot an Anleihen nach oben. Zweitens schichten große institutionelle Investoren zunehmend von Staatsanleihen in andere Investments, wie z.B. Aktien, um. Drittens spiegeln die höheren Renditen die gestiegenen Inflationserwartungen wider.
Für Anleger ist das ein zweischneidiges Schwert: Einerseits bieten höhere Renditen attraktivere Einstiegspunkte. Andererseits verlieren bestehende Anleihen-Positionen an Wert. Selektion erfordert in diesem Umfeld besonders hohes Know-how.
Wie hoch sind die Renditen deutscher Staatsanleihen gestiegen?
Über 3% p.a., und dieser Trend könnte sich noch verstärken. Im Vergleich zur Zinsstrukturkurve von April 2025 haben sich die Renditen über alle Laufzeiten deutlich nach oben verschoben (Grafik siehe oben).
Das ist bemerkenswert, denn Deutschland galt lange als sicherer Hafen mit sehr niedrigen Renditen. Die geplante Neuverschuldung Deutschlands könnte allen Euro-Ländern höhere Renditen bescheren, denn Deutschland gilt nach wie vor als Maß aller Dinge im Euro-Raum.
Was müssen Anleger über US-Staatsanleihen wissen?
Ein Blick auf die historische Dimension: Die Rendite für 30-jährige US-Staatsanleihen befand sich seit der Hyperinflation von 1981 (damals bei 16%) in einem langfristigen Abwärtstrend. Das Jahr 2022 markierte einen echten Wendepunkt. Seitdem steigen die Langfristzinsen wieder.
Anleihe-Anleger sollten den Trendbruch ernst nehmen, denn steigende Langfristzinsen können Anleihekurse belasten, Bewertungsmaßstäbe verändern und die Risikostruktur im Portfolio deutlich verschieben.
Auch alle anderen Anleger sollten Bescheid wissen, da höhere Langfristzinsen nicht nur Anleihen, sondern auch die Bewertungen von Aktien, Immobilien und anderen Anlageklassen betreffen. Die Märkte hängen schließlich alle zusammen. Die eigene Portfolio-Struktur sollte deshalb bewusst auf Zinsänderungsrisiken geprüft werden.
Lohnen sich High-Yield-Anleihen im aktuellen Umfeld?
Wir raten zur Vorsicht. Die Risikoaufschläge von Anleihen bonitätsschwacher Unternehmen sind zwar kurzfristig gestiegen. Dennoch befinden sie sich weiterhin auf einem zu geringem Niveau.
Das bedeutet: Anleger werden für das zusätzliche Risiko nicht angemessen vergütet. Die optisch attraktive Verzinsung täuscht, also lassen Sie sich davon nicht blenden. Bei bonitätsschwachen Unternehmen gibt es kaum Spielraum für weitere Rückgänge der Risikoaufschläge und damit wenig Aufwärtspotenzial.
Unsere Empfehlung: Bevorzugen Sie Unternehmensanleihen im Investment-Grade-Bereich mit guter Bonität und mittlerer Laufzeit. Qualität vor Rendite, das ist die Devise in diesem Marktumfeld.
Welche Anleihen-Strategie ist im Q2 2026 sinnvoll?
Qualität und mittlere Laufzeiten. Durch die unsicheren Inflationserwartungen und die weiter vorhandenen geopolitischen Risiken bevorzugen wir Anleihen solider Emittenten mit kurzen und mittleren Laufzeiten.
Chancenorientierte Investments, etwa in ausländische Währungen oder längere Laufzeiten, dienen aktuell als Ergänzung, nicht als Kerninvestment. Ob der US-Dollar dazugehört, wird eng mit dem Ausgang des Iran-Konflikts zusammenhängen.
Die wichtigste Regel für Anleihe-Investoren bleibt: Keine großen Laufzeitenrisiken eingehen. Im Laufe des Jahres könnten sich erste Chancen bei längeren Laufzeiten ergeben, aber erst, wenn sich die Inflationserwartungen stabilisieren.
Marktausblick Q2 2026, Anleihen:Durch die unsicheren Inflationserwartungen und der weiter vorhandenen geopolitischen Risiken bevorzugen wir Anleihen solider Emittenten und mittleren Laufzeiten. Chancenorientierte Investments dienen aktuell als Ergänzung. Ob der US-Dollar dazugehört, wird eng mit dem Ausgang des Iran-Konflikts zusammenhängen. |
AKTIEN
Warum werden große Software-Unternehmen plötzlich zu Verlierern?
Weil KI die Spielregeln verändert. Die Börse handelt aktuell ein neues Narrativ: Große Software-Unternehmen werden durch Künstliche Intelligenz bedroht, während Hardware-Hersteller, insbesondere Halbleiterproduzenten, durch viele Aufträge und starke Margen profitieren.
Der Software-Index (IGV) hat seit März 2025 deutlich nachgegeben, während der Halbleiter-Index (SMH) weiter gestiegen ist. Das ist ein klares Signal: Der Markt bewertet die KI-Revolution nicht mehr als reinen Gewinn für alle Tech-Unternehmen, sondern differenziert zunehmend zwischen Gewinnern und Verlierern.
Wichtig: Ob die großen Software-Hersteller wirklich an Umsatz und Gewinn einbüßen, ist noch nicht entschieden. Bislang handelt die Börse diese Entwicklung als Narrativ, und die nächsten Quartalsberichte werden zeigen, ob die Befürchtungen berechtigt sind.
Bieten europäische Aktien im Q2 2026 bessere Chancen als US-Aktien?
Ja, wir sehen attraktive Chancen vor allem in Europa. Die Gewinnerwartungen der Unternehmen im europäischen STOXX 600 zeigen solide Anstiege im Bezug auf das nächste Jahr. Das ist ein ermutigender Trend.
Während die US-Märkte von Big-Tech nach unten gezogen werden, profitiert Europa von einer breiteren Aufstellung: Finanzen, Versorger, Industrie und Rüstung treiben die Gewinne. Die geplanten Infrastrukturinvestitionen und die expansive Fiskalpolitik sollten sich in den Gewinnen der europäischen Industrie widerspiegeln.
Gleichzeitig ist auch KI in den hiesigen Unternehmen angekommen und sorgt für Effizienzsteigerungen. Die großen Forschungs- und Entwicklungskosten dafür trugen bisher aber eher die Amerikaner…
Der Iran-Konflikt wird bislang als eher temporär eingeschätzt und eine Erholung erwartet. Stand jetzt. Aber Vorsicht: Sollte der Konflikt eskalieren, wären auch europäische Märkte nicht immun.
Was bedeutet die KI-Revolution für die Halbleiterindustrie?
Kurzfristig ein Segen, aber langfristig ist Vorsicht geboten. Starke Halbleiterkäufer wie Amazon und Alphabet steigen aufgrund der hohen Chip-Preise von Nvidia & Co. zunehmend selbst in die Produktion ein.
Das könnte die Machtverhältnisse in der Branche nachhaltig verändern. In den nächsten Quartalen werden die Zahlen zeigen, ob sich die Marktanteile normalisieren oder ob die Halbleiterproduzenten weiter hohen Absatz finden.
Wir sagen: Nie nur auf ein Pferd setzen! Tech-Innovationen haben schon oft die Aktienmärkte geschüttelt. Geschäftsmodelle werden obsolet und neue werden relevant. Zyklische Branchen wie die Halbleiterindustrie zeigen nach jedem Aufschwung wieder einen Abschwung, und Rendite ist nicht für immer garantiert.
Woher kommt die plötzliche Erholung an den Aktienmärkten?
Die Erholung kam vor allem daher, dass ein großer Risiko-Schock wieder aus den Kursen herausgenommen wurde. Konkret haben zuletzt Hoffnungen auf eine Entspannung im Iran-Konflikt, fallende Ölpreise und damit sinkende Inflationsängste die Aktienmärkte kräftig angeschoben. Das hat wiederum die Hoffnung genährt, dass die Fed weniger unter Druck steht, die Zinsen länger hoch zu halten.
Dazu kam ein zweiter Treiber: solide bis starke Unternehmensgewinne, vor allem in den USA und besonders in großen Technologie- und Energiewerten. Reuters berichtet, dass die Erwartung an die Berichtssaison und die relative wirtschaftliche Robustheit der USA den S&P 500 zusätzlich gestützt haben.
Ein dritter Punkt ist typisch Börse und etwas weniger romantisch: Positionierung und Momentum. Nach vorherigen Abflüssen floss wieder viel Geld in US-Aktien. Sobald sich die Nachrichtenlage verbessert und der Markt anspringt, müssen viele Investoren zurück in den Markt – aus Angst, die Erholung zu verpassen. Genau das kann eine Rally dann stark beschleunigen. Reuters spricht hier sogar von einer Rückkehr des „TINA“-Denkmusters zugunsten von US-Aktien.
Was man aus dem Chart deshalb nicht vorschnell ableiten sollte: Dass plötzlich alle strukturellen Probleme gelöst wären. Ein Teil der Bewegung ist fundamental erklärbar, ein Teil ist schlicht die Börsenlogik aus weniger Angst + sinkendem Öl + Zinshoffnung + Rückkäufen/Rückflüssen. Anders gesagt: Die Märkte feiern gerade eher, dass das schlimmste Szenario vorerst unwahrscheinlicher geworden ist.
Was sollten Aktien-Anleger jetzt wissen?
Diversifikation ist Trumpf. In einem Umfeld, in dem KI die Gewinnermärkte neu sortiert und geopolitische Risiken für kurzfristige Volatilität sorgen, ist breite Streuung wichtiger denn je.
Unsere Empfehlungen:
- Nicht vom Hype blenden lassen: Fundamentale Analyse bleibt wichtig
- Europäische Aktien als Chancenpotenzial, denn die Gewinnerwartungen steigen
- Es lohnt sich auf eine Balance zwischen Growth- und Value-Aktien zu achten
- Bei US-Investments selektiv vorgehen und zwischen Software-Verlierern und Hardware-Gewinnern differenzieren
- Cash-Puffer beiseitelegen, denn Liquidität sichert Handlungsfähigkeit in volatilen Zeiten
- Währungsrisiken beachten, denn der US-Dollar hängt eng am Iran-Konflikt
- Was die meisten nicht wissen: Geldanlage in Krisenzeiten lohnt sich!
Marktausblick Q2 2026, Aktien:Starke Halbleiterkäufer wie Amazon und Alphabet steigen aufgrund der hohen Chip-Preise von Nvidia & Co. zunehmend selbst in die Produktion ein. In den nächsten Quartalen werden die Zahlen zeigen, ob sich die Machtverhältnisse hier nachhaltig wieder normalisieren können oder ob die Halbleiterproduzenten weiter hohen Absatz finden. |
ROHSTOFFE
Warum ist der Goldpreis auch 2026 weiter gestiegen?
Weil die Treiber intakt bleiben. Gold hat 2025 eine beeindruckende Rendite von +65,66% in US-Dollar erzielt. Auch 2026 setzt sich die positive Entwicklung fort: Year-to-Date liegt das Plus bei +11,45%.
Die großen Treiber sind weiterhin die Notenbanken, die mit Goldkäufen ihre Unabhängigkeit vom US-Dollar vergrößern wollen. Hinzu kommt: Gold ist längst nicht mehr nur eine klassische Krisenwährung, sondern vor allem ein Spiegelbild der zunehmenden inflationären Verschuldung weltweit.
Zwischenzeitliche Korrekturen sind normal und sollten Anleger nicht verunsichern. Die langfristige Tendenz bleibt intakt, solange die globale Verschuldung steigt und wir sind davon meilenweit entfernt.
Was treibt den Ölpreis auf über 100 US-Dollar?
Der Iran-Konflikt. Der Ölpreis hat durch die geopolitischen Spannungen deutlich angezogen und die Marke von 100 US-Dollar überschritten. Damit endet ein lang anhaltender Abwärtstrend.
Für Anleger ist das ein zweischneidiges Schwert: Einerseits profitieren Energieunternehmen und Rohstoff-Investments. Andererseits wirkt der hohe Ölpreis wie eine Steuer auf die gesamte Wirtschaft mit höheren Transportkosten, höheren Produktionskosten und höheren Verbraucherpreisen.
Die nächsten Wochen werden zeigen, wie stark der Preisanstieg wirtschaftlichen Schaden hinterlassen hat. Besonders der Ölpreis steht unter dem Einfluss geopolitischen Handels, und eine Entspannung im Iran-Konflikt könnte den Preis schnell wieder drücken.
Lohnen sich neben Gold auch andere Rohstoffe als Investment?
Wichtig für Anleger ist, dass Rohstoff-Investments außerhalb der Edelmetalle komplex sein können. Der Bloomberg Commodity Index zeigt dennoch einen klaren Aufwärtstrend.
Die YTD-Performance spricht für sich:
- Öl: +60%, getrieben durch den Iran-Konflikt und geopolitische Unsicherheit
- Silber: +12%, profitiert als Edelmetall und Industriemetall gleichermaßen
- Kupfer: +7%, angetrieben durch den massiven Bedarf an Elektrifizierung und KI-Infrastruktur
Der massive Energiebedarf, getrieben durch KI-Rechenzentren, Elektromobilität und Infrastrukturausbau, wird die Nachfrage nach bestimmten Rohstoffen langfristig steigern. Ein neuer Rohstoff-Superzyklus ist möglich. Daher bietet sich ein Blick auf die Unternehmen an, die von steigenden Rohstoffpreisen profitieren.
Wie viel Gold sollte in einem Portfolio sein?
Als Faustformel: 5 bis 10%. Gold eignet sich vor allem als Absicherung gegen inflationäre Verluste und geopolitische Krisen, nicht als Renditetreiber.
In einem breit aufgestellten Portfolio übernimmt Gold die Rolle des Stabilitätsankers: Es läuft historisch oft gegenläufig zu Aktien und stabilisiert die Kaufkraft in Stressphasen. Genau dann, wenn Stabilität am meisten gefragt ist.
Die langfristige Rolle im Portfolio ist also wichtiger als der aktuelle Goldpreis. Daher betrachten wir Gold weiterhin als absolutes Basisinvestment.
Marktausblick Q2 2026, Rohstoffe:Besonders der Ölpreis steht unter dem Einfluss geopolitischen Handels. Speziell die nächsten Wochen werden zeigen, wie stark der Preisanstieg wirtschaftlichen Schaden hinterlassen hat. Gold sehen wir weiterhin als Basisinvestment für ein breit aufgestelltes Portfolio an. |
FAZIT: Was Anleger jetzt wissen müssen
Das zweite Quartal 2026 steht im Zeichen wachsender Unsicherheiten: geopolitisch, geldpolitisch und an den Märkten. Doch wo Unsicherheit herrscht, entstehen auch Chancen für gut aufgestellte Anleger.
Weltwirtschaft: Der Iran-Konflikt und Trumps Politik erhöhen die Volatilität. Europa braucht mehr Unabhängigkeit, die USA stehen innenpolitisch unter Druck. Auf beiden Seiten des Atlantiks muss gehandelt werden.
Geldpolitik: Statt Zinssenkungen erwartet der Markt nun EZB-Erhöhungen. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh steht zwischen makroökonomischen Daten und politischem Druck, ein gefährlicher Spagat.
Anleihen: Steigende Renditen und Inflationserwartungen erfordern eine selektive Strategie. Solide Emittenten mit mittleren Laufzeiten bevorzugen, High-Yield meiden.
Aktien: KI sortiert die Gewinner neu: Software-Unternehmen stehen unter Druck und Halbleiterhersteller zeigen reichlich Momentum. Europa bietet attraktive Chancen mit steigenden Gewinnerwartungen im STOXX 600 und ausgewählte Dividendentitel tragen solide durch die aktuelle Volatilität.
Rohstoffe: Gold bleibt Basisinvestment. Der Ölpreis hat die 100-Dollar-Marke geknackt. Auch Silber und Kupfer zeigen Aufholpotenzial, und ein neuer Rohstoff-Superzyklus zeichnet sich ab.
Die wichtigste Regel: Nicht alles auf eine Karte setzen. Eine ausgewogene Strategie mit breiter Diversifikation über Regionen, Anlageklassen, Währungen und Branchen bietet die beste Grundlage, um Chancen zu nutzen und Risiken zu begrenzen.
FAQs
Warum steigen die Anleiherenditen, obwohl die EZB die Zinsen erhöht?
Das klingt widersprüchlich, hat aber gute Gründe. Normalerweise fallen Anleiherenditen bei Zinssenkungen und steigen bei Zinserhöhungen. Aktuell steigen die Renditen jedoch bereits vor den erwarteten Erhöhungen, denn der Markt nimmt die Zukunft vorweg.
Drei Faktoren treiben die Renditen:
- Inflationserwartungen: Der Markt rechnet mit anhaltend höherer Inflation. Die Breakeven-Inflationsrate ist seit März deutlich gestiegen.
- Hohe Staatsverschuldung: Deutschland (63% BIP) und USA (126% BIP) finanzieren ihre Ausgaben über neue Schulden, und das treibt das Anleiheangebot und damit die Renditen.
- Umschichtungen: Institutionelle Investoren ziehen Kapital aus Staatsanleihen ab und investieren stärker in Aktien.
Strategie: Investment-Grade-Anleihen mit mittlerer Laufzeit bevorzugen, High-Yield meiden, Währungsrisiken beachten.
Ist Gold bei einem Kurs über 4.000 USD noch ein gutes Investment?
Ja. Der absolute Preis ist weniger entscheidend als die langfristige Rolle im Portfolio. Gold hat 2025 zwar eine Rendite von +65,66% erzielt, doch Gold sollte nicht als Spekulationsobjekt betrachtet werden.
Drei Gründe, warum Gold weiterhin attraktiv bleibt:
- Notenbanken kaufen weiter: Zentralbanken stocken ihre Reserven auf, um die Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren.
- Inflationäre Verschuldung: Solange die globale Staatsverschuldung steigt, bleibt Gold ein natürlicher Schutz.
- Geopolitische Unsicherheit: Gold ist ein Spiegelbild globaler Instabilität, und davon gibt es aktuell reichlich.
Empfehlung: 5 bis 10% Gold-Quote als langfristige Position. Gold ist der Stabilitätsanker, nicht das Spekulationsobjekt.
Sollte man jetzt in KI-Aktien investieren oder lieber abwarten?
KI-Aktien sollten schon jetzt Teil eines breit diversifizierten Portfolios sein. Aber: die KI-Revolution schafft gleichzeitig Gewinner und Verlierer und niemand weiss zu 100%, wer in 5-10 Jahren auf welcher Seite steht. Wer ohne Strategie und nur trendgetrieben in „KI-Aktien“ investiert riskiert deshalb langfristig Verluste.
Dieses komplexe Bild sollten Aktien-Anleger deshalb kennen:
- Software-Unternehmen: Große Player werden durch KI bedroht. Der Software-Index hat deutlich nachgegeben.
- Halbleiterhersteller: Profitieren kurzfristig von enormer Nachfrage. Aber: Amazon, Alphabet & Co. steigen selbst in die Chipproduktion ein, und das könnte den Markt verändern.
- Zyklische Natur: Die Halbleiterindustrie zeigt nach jedem Aufschwung wieder einen Abschwung. Rendite ist nicht für immer garantiert.
- Energie: Während Meta & Co. miteinander um die besten KI-Modelle streiten, steigt der Hunger nach Energie massiv und beflügelt jegliche Form von Energiegewinnung
Unsere Devise: Nie nur auf ein Pferd setzen! Breite Diversifikation über Branchen und Regionen bleibt der beste Schutz und die beste Garantie die Gewinner im Portfolio zu haben.
Was bedeutet der Fed-Chef-Wechsel zu Kevin Warsh für mein Portfolio?
Erhöhte Aufmerksamkeit ist geboten. Der Wechsel an der Fed-Spitze ist eines der wichtigsten geldpolitischen Ereignisse 2026. Kevin Warsh wurde von Donald Trump persönlich ernannt, und das wirft Fragen über die Unabhängigkeit der US-Notenbank auf.
Was Anleger beachten sollten:
- Zinspolitik: Warsh könnte dem politischen Druck nachgeben und die Zinsen stärker senken als die Wirtschaftsdaten es rechtfertigen.
- US-Dollar: Eine zu lockere Geldpolitik könnte den Dollar schwächen, was relevant ist für alle Anleger mit US-Investments.
- Langfristiges Risiko: Zu lockere Geldpolitik bei einer Staatsverschuldung von 126% des BIP könnte die nächste Krise säen.
Unsere Empfehlung:
Geldpolitische Entwicklungen in den USA besonders aufmerksam verfolgen. Währungsrisiken im Portfolio überprüfen und gegebenenfalls absichern.