Inhalt

Bild von Michael Wittek

Michael Wittek

Direktor Portfoliomanagement und hauptverantwortlich für die ak. Anlagestrategien.
Marktausblick Q3 2026: silberne Rakete in einer Glaskugel und ein aufsteigender weißer Pfeil vor blauem Globus – Ausblick für Ihr Vermögen von Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung.

Marktausblick Q3 2026: Was Anleger jetzt wissen müssen

Bild von Michael Wittek

Michael Wittek

Direktor Portfoliomanagement und hauptverantwortlich für die ak. Anlagestrategien.

Inhalt

Stand: Ende Juni 2026 / Autor: Michael Wittek, Direktor Portfoliomanagement bei ak.

Liebe Leserin, lieber Leser,
im zweiten Quartal drohte noch die Eskalation: ein brennender Iran-Konflikt, ein Ölpreis über 100 US-Dollar und eine Inflation, die nach oben zeigte. Jetzt überwiegt die Entspannung. Ein Memorandum zwischen den USA und dem Iran, ein deutlich gefallener Ölpreis und eine Teuerung, die ihren Hochpunkt überschritten hat.

Aber Entspannung ist nicht Entwarnung. Einiges hat sich gedreht, manches hält und ein paar neue Risiken sind dazugekommen. In unserem Marktausblick beantworten wir so kurz es geht die wichtigsten Fragen und zeigen, was das für dich als Anleger bedeutet.

Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Insights findest du in der Executive Summary.

Teaser zum aktuellen Marktausblick von ak., Überschrift „Aktueller Marktausblick – Executive Summary". Auf einem Laptop die Kapitelseite „01 Weltwirtschaft". Standpunkt: Die kurzfristige Erholung lässt Anleger aufatmen, ist aber kein Zeichen, dass die Unsicherheit vorbei ist. Rechts ein Liniendiagramm „Viel Volatilität seit Januar 2026" mit STOXX Europe 600 und S&P 500.

Marktausblick Q3 2026: Kürzer geht’s nicht

Chancen

  • Europäische Aktien im Aufwärtstrend: Der Eurostoxx50 hat ein neues Allzeithoch markiert und die Stimmung ist trotzdem nicht euphorisch.
  • Emerging Markets und Asien holen auf, getrieben vom KI-Hardware-Boom und mit klarem Bewertungsabschlag gegenüber den USA.
  • KI hilft inzwischen auch der Software und nicht mehr nur der Hardware.
  • Der gefallene Ölpreis entlastet Inflation, Verbraucher und Unternehmen.

Risiken

  • Das Iran-Memorandum ist fragil und kann schnell wieder kippen.
  • Neue US-Zölle von pauschal 15 Prozent belasten Lieferketten und treffen auch Europa.
  • Die US-Notenbank bleibt trotz fallender Inflation im Straffungsmodus.
  • Die Risikoaufschläge bei Anleihen sind gefährlich niedrig.
  • Die hohen US-Bewertungen verlangen Disziplin.

Strategien

  • Anleihen: solide Emittenten mit kurzen und mittleren Laufzeiten bevorzugen, High Yield meiden.
  • Aktien: breit diversifizieren über Regionen und Branchen, Europa und Emerging Markets gehören dazu.
  • Rohstoffe: Gold mit rund 5 bis 10 Prozent als Stabilitätsanker halten und Rücksetzern nicht hinterherlaufen.
  • Und was noch? Geopolitik und Zölle im Blick behalten, Rücksetzer für Aufstockung von Qualitätstiteln nutzen und keine Spekulationswetten eingehen.

Expertentipp: Für eine Balance aus Rendite und Vermögensschutz favorisieren wir eine ausgewogene und weltweit diversifizierte Strategie mit rund 5 bis 10 Prozent Gold als Stabilitätsanker, ausgewählten europäischen Titeln und einer breiteren Beimischung aus Emerging Markets. Wie viel davon zu dir passt, hängt von deinem persönlichen Risikoprofil und deinem Anlagehorizont ab. Die Frage „Wie soll ich jetzt mein Geld anlegen?“ beantworten wir hier im Detail.

Weltwirtschaft

Marktausblick Q3 2026: Index-Performance der wichtigsten Aktienmärkte seit Jahresbeginn.
Index-Performance der großen Aktienmärkte seit Jahresbeginn.

Beruhigt sich der Iran-Konflikt wirklich?

Teilweise. Am 17. Juni 2026 haben die USA und der Iran ein Memorandum of Understanding unterzeichnet. Es ist kein fertiger Friedensvertrag, schafft aber einen Verhandlungsrahmen: ein 60-Tage-Fenster für eine finale Einigung, die Öffnung der Straße von Hormuz, geplante Entschädigungszahlungen und ein Ende der Sanktionen.

Das ist ein wichtiger Schritt zur Deeskalation und die Märkte haben erleichtert reagiert. Trotzdem ist Vorsicht angebracht. Die Straße von Hormuz war nach der Öffnung schon einen Tag später wieder gesperrt und Israel setzt seine Aktivitäten im Libanon fort. Die Lage hängt stark vom Verhalten einzelner Akteure ab und kann schnell wieder kippen.

Für dich als Anleger heißt das: Die größte akute Sorge ist erst einmal aus den Kursen heraus. Verlassen solltest du dich darauf aber nicht.

Marktausblick Q3 2026: Der VIX-Volatilitätsindex zeigt nachlassende Nervosität nach der Deeskalation.
Der Volatilitätsindex VIX nach der Deeskalation.

Was bedeutet der gefallene Ölpreis für dich?

Vor allem Entlastung. Der Ölpreis ist seit Monatsbeginn um rund ein Viertel gefallen und notiert wieder bei etwa 74 bzw. 78 US-Dollar. Damit ist der Preisschock aus dem Frühjahr vorerst vorbei. Fachleute sprechen von einer Mean Reversion, also einer Rückkehr zum langjährigen Mittel nach einer Übertreibung.

Marktausblick Q3 2026: Der Ölpreis (Brent und WTI) ist von über 100 auf rund 74 bzw. 78 US-Dollar gefallen.
Ölpreis (Brent und WTI): Rückkehr auf rund 74 bzw. 78 US-Dollar.

Niedrigere Energiepreise wirken wie eine Entlastung für die gesamte Wirtschaft: günstigeres Tanken, niedrigere Transport- und Produktionskosten und damit weniger Druck auf die Inflation. Die Kehrseite betrifft Energiewerte, die von hohen Preisen profitiert hatten. Unterm Strich überwiegt für Verbraucher und Konjunktur aber klar das Positive.

Erholt sich Europas Wirtschaft, oder bremst Deutschland?

Beides. Die Einkaufsmanagerindizes in der Eurozone hellen sich auf. Der Composite-Index ist im Juni auf 51,4 Punkte gestiegen (Eurozone) und der Dienstleistungssektor zeigt eine Trendwende. Ein Wert über 50 signalisiert Wachstum, darunter Schrumpfung, also könnte in der Eurozone eine Wende starten.

Marktausblick Q3 2026: Einkaufsmanagerindizes der Eurozone und Deutschlands im Vergleich zur 50-Punkte-Schwelle.
Einkaufsmanagerindizes der Eurozone und Deutschlands rund um die 50-Punkte-Schwelle.

Das Schlusslicht ist ausgerechnet Deutschland. Der deutsche Service-Index ist zwischenzeitig auf 46,8 Punkte gefallen, ein Tief seit dreieinhalb Jahren. Der angekündigte staatliche Ausgabenschub dürfte aber im Jahresverlauf an Tempo gewinnen.

Wir blicken deutlich positiver auf Europa als der Marktkonsens. Aus unserer Sicht dürfte das Gewinnwachstum der Unternehmen im dritten Quartal stärker zulegen, als der Markt erwartet. Ein Vorbote sind die starken Ergebnisse der Unternehmen aus unserer Dividendenstrategie, die in ihren jüngsten Quartalsberichten überzeugt haben.

Wie treffen dich Trumps neue Zölle?

Über den Umweg der Lieferketten. Die US-Seite hat neue Zölle von pauschal 10 Prozent „on top“ angekündigt, begründet mit Zwangsarbeit in Lieferketten. Europa ist betroffen und entsprechend verärgert.

Solche Maßnahmen verteuern Importe, belasten Exporteure und können die Preise wieder anschieben. Protektionismus ist damit eines der unterschätzten Risiken für das dritte Quartal, gerade weil die Aufmerksamkeit zuletzt ganz beim Iran lag.

Marktausblick Q3 2026, Weltwirtschaft: Entspannung ja, Entwarnung nein. Europa bekommt durch fallende Energiepreise und eine sich aufhellende Konjunktur Rückenwind. Diesen Rückenwind muss der Kontinent aber gegen neue Zölle und ein schwächelndes Deutschland verteidigen.

Geldpolitik

Fällt die Inflation jetzt wieder?

Ja, sie hat ihren Hochpunkt überschritten. In der Eurozone ist die Teuerungsrate im Juni von 3,2 auf 2,9 Prozent gefallen. Der Rückgang geht fast vollständig auf die gesunkenen Benzinpreise zurück.

Marktausblick Q3 2026: Jährliche Inflation in den USA und der Eurozone im Vergleich zum 2-Prozent-Ziel.
Jährliche Inflation in den USA und der Eurozone gegenüber dem 2-Prozent-Ziel.

Entscheidend ist aber ein zweiter Wert: die Kerninflation, also die Teuerung ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelpreise. Sie liegt mit 2,5 Prozent noch immer deutlich über dem 2-Prozent-Ziel und ist zäh. Gut möglich, dass hier der Hochpunkt noch nicht erreicht ist.

Für dich heißt das: Die Gesamtinflation entspannt sich, der hartnäckige Kern bleibt aber ein Thema. Wer in Anleihen investiert, sollte die reale Rendite nach Inflation im Blick behalten und nicht nur den Zinskupon. Und je länger die Notenbanken um ihre Glaubwürdigkeit ringen, desto wichtiger werden Sachwerte wie Gold und Substanzwerte als Stabilitätsanker in deinem Depot.

Erhöht die EZB trotzdem weiter die Zinsen?

Vorerst nicht. Die EZB hat den Leitzins in ihrer Juni-Sitzung von 2,00 auf 2,25 Prozent erhöht. Für die nächsten Monate erwarten wir vorerst keine weitere Straffung.

Marktausblick Q3 2026: Verlauf des EZB-Leitzinses inklusive der Juni-Anhebung auf 2,25 Prozent.
EZB-Leitzins mit der Juni-Anhebung auf 2,25 Prozent.

Interessant ist dabei folgende EZB-Annahme: In ihrer jüngsten Projektion hatte die EZB unterstellt, dass sich der Ölpreis bis zum Jahresende über 100 US-Dollar bewegt und daraus eine Inflation von 3,4 Prozent für das zweite Halbjahr abgeleitet. Mit einem Ölpreis von rund 73 US-Dollar ist das zu hoch gegriffen. Realistischer sind Werte um 2,7 bis 2,8 Prozent.

Was macht der neue Fed-Chef Warsh und warum bleiben die US-Zinsen hoch?

Er gilt als taubenhaft, doch die Daten sprechen eine andere Sprache. Mit Kevin Warsh sitzt ein von der US-Regierung ernannter Notenbank-Chef an der Spitze der Fed, dem der Markt eine eher lockere Linie zutraut. Überraschend starke US-Arbeitsmarktdaten haben die Erwartungen aber gedreht.

Marktausblick Q3 2026: Verlauf des Fed-Leitzinses seit 2020 samt Prognosepfad bis Ende 2026.
Verlauf des Fed-Leitzinses seit 2020, der gestrichelte Teil zeigt den erwarteten Pfad bis Jahresende.

Der Markt preiste zeitweise sogar wieder Zinserhöhungen ein und die Fed selbst hob in ihrer Projektion die mittlere Zinserwartung für 2026 von 3,4 auf 3,8 Prozent an. Das Stichwort lautet „higher for longer“, also länger hohe Zinsen. Während die EZB ihren Zyklus verzögert fortsetzt, bleiben die US-Zinsen also vorerst hoch.

Marktausblick Q3 2026, Geldpolitik: Die Inflation entspannt sich, aber die Notenbanken bleiben wachsam. Das Zeitalter der Nullzinsen ist endgültig vorbei. Für Anleger bedeutet das attraktivere Kupons bei Neuemissionen, aber auch die Pflicht, den Realzins nach Inflation im Auge zu behalten.

Anleihen

Lohnen sich Anleihen 2026 wieder?

Grundsätzlich ja, die Ausgangslage ist besser als noch vor wenigen Jahren. Die Renditen zehnjähriger deutscher Staatsanleihen liegen bei rund 3 Prozent, in den USA zwischen 4,5 Prozent bei zehnjährigen und rund 5 Prozent bei dreißigjährigen Laufzeiten. Neuemissionen bieten damit ordentliche Kupons.

Marktausblick Q3 2026: Renditen 10-jähriger und 30-jähriger US-Staatsanleihen im Zeitverlauf.
Renditen 10- und 30-jähriger US-Staatsanleihen.

Der Bund-Future, also der wichtigste Terminkontrakt auf deutsche Staatsanleihen, bewegt sich seit dem Rückschlag im März seitwärts in einer engen Spanne. Die Markttechnik deutet vorsichtig nach oben. Kurzfristig könnten die Renditen im Schlepptau der gefallenen Energiepreise nachgeben, mittelfristig bleibt der Aufwärtsdruck durch das wieder anziehende Nominalwachstum bestehen.

Warum sind die Risikoaufschläge bei Unternehmensanleihen gerade ein Warnsignal?

Weil du fürs Risiko kaum noch bezahlt wirst. Der Risikoaufschlag, auch Spread genannt, ist die Extra-Rendite, die du für eine riskantere Anleihe gegenüber einer sicheren Staatsanleihe bekommst. Diese Aufschläge sind aktuell sehr eng, im Bereich von rund 260 bis 280 Basispunkten.

Marktausblick Q3 2026: Risikoaufschläge europäischer High-Yield-Anleihen gegenüber Staatsanleihen im Zeitverlauf.
Risikoaufschläge europäischer High-Yield-Anleihen gegenüber Staatsanleihen.

Das bedeutet: Für das zusätzliche Ausfallrisiko schwächerer Schuldner gibt es nur eine magere Entschädigung. Die optisch attraktive Verzinsung von High-Yield-Anleihen, also Anleihen mit schwacher Bonität, täuscht. Nach unten ist der Spielraum gering und nach oben das Risiko hoch.

Welche Anleihen-Strategie ist im Q3 2026 sinnvoll?

Qualität vor Rendite. Wir bevorzugen solide Emittenten im Investment-Grade-Bereich, also mit guter Bonität, sowie kurze bis mittlere Laufzeiten. Chancenorientierte Investments in längere Laufzeiten oder fremde Währungen dienen als Ergänzung, nicht als Kern.

Die wichtigste Regel bleibt: keine großen Laufzeitenrisiken eingehen und nicht der letzten Rendite hinterherjagen. Erst wenn sich die Inflationserwartungen stabilisieren, ergeben sich womöglich Chancen bei längeren Laufzeiten.

Marktausblick Q3 2026, Anleihen: Bei hauchdünnen Risikoaufschlägen gilt Qualität vor Rendite. Solide Emittenten und mittlere Laufzeiten bilden den Kern, alles andere ist Beimischung. Wer jetzt jeden Basispunkt jagt, übernimmt Risiken, die nicht angemessen bezahlt werden.

Aktien

Sind europäische Aktien jetzt der bessere Kauf?

Aus Sicht unserer Portfoliomanager in Hamburg sehen wir in Europa weiterhin attraktive Chancen. Der Eurostoxx50 hat nach einer dreimonatigen Verschnaufpause ein neues Allzeithoch markiert und der Aufwärtstrend ist auf allen Zeitebenen intakt. Bemerkenswert ist, dass die Stimmung trotzdem nicht euphorisch ist. Im viel beachteten Bullen-Bären-Indikator stehen nur 37 Prozent optimistische Anleger einer leichten Mehrheit an Skeptikern gegenüber. Genau das spricht dafür, Rücksetzer für den Aufbau von Qualität zu nutzen, statt einer Rally hinterherzulaufen.

Marktausblick Q3 2026: Der EuroStoxx 50 hat ein neues Allzeithoch markiert.
Der EuroStoxx 50 auf neuem Allzeithoch.

Die strukturellen Baustellen in Europa, allen voran ein schwaches Deutschland, sind uns bewusst. Für den Kontinent sprechen aber die im Vergleich zu den USA günstigere Bewertung und die breite Aufstellung über verschiedene Branchen, wie z.B. Finanzen, Versorger, Industrie und Rüstung.

Ein eigenes Thema, das wir hier besonders spannend finden, ist die europäische Technologie-Souveränität. Europäische Unternehmen positionieren sich, um Rechenzentren und KI-Infrastruktur für die heimische Industrie bereitzustellen, etwa über eine neue KI-Fabrik in München in Zusammenarbeit mit Nvidia. Europa versucht damit, eine seiner strategischen Schwachstellen in eine Stärke zu verwandeln. Unser Aktien-Team beobachtet diese Entwicklung aufmerksam.

Soll ich jetzt in Emerging Markets und Asien investieren?

Als breite Beimischung schauen wir uns die Region genau an. Die Emerging Markets haben ihre jahrelange Schwächephase gegenüber den Industrieländern beendet. Der MSCI Emerging Markets hat eine mehrjährige Bodenbildung abgeschlossen und nach oben verlassen.

Marktausblick Q3 2026: Kurs-Gewinn-Verhältnis von USA, Europa und Emerging Markets im Vergleich.
Kurs-Gewinn-Verhältnis von USA, Europa und Emerging Markets im Vergleich.

Dafür sprechen zwei Dinge. Erstens die Bewertung: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 19 handelt der Index mit einem klaren Abschlag gegenüber den USA, wo es bei etwa 23 liegt. Zweitens der KI-Hardware-Boom. Während im S&P 500 die großen Software- und Tech-Riesen dominieren, verlagert sich der Fokus bei der physischen Infrastruktur stark nach Taiwan und Südkorea, die zusammen rund die Hälfte des Index ausmachen.

Ein Wort zu China, das mit etwa 20 Prozent im breiten Index steckt. Die großen chinesischen Tech-Konzerne sind fundamental günstig bewertet, tragen aber politische Risiken bis hin zum Taiwan-Szenario. Als Einzelwette bleibt China deshalb anspruchsvoll. Im breit gestreuten Emerging-Markets-Korb ist es als diversifizierte Beimischung dagegen interessant.

Bleibt Hardware der KI-Gewinner, oder holt Software auf?

Die Hardware bleibt führend, aber die Software ist nicht mehr nur Verlierer. Im Q2 handelte die Börse noch ein einfaches Narrativ: Halbleiter und Hardware gewinnen, große Software-Häuser verlieren. Der erste Teil gilt weiterhin. Die Halbleiterwerte sind erneut sehr stark und der gesamte Aufholtrend in Asien wird vom Hunger nach KI-Hardware getragen.

Marktausblick Q3 2026: Wertentwicklung Halbleiter (SMH) gegenüber Software (IGV).
Halbleiter (SMH) gegenüber Software (IGV).

Beim zweiten Teil der Software-Branche wird es jetzt spannend: Denn die Software erweist sich zunehmend als Profiteur der KI und nicht als ihr Opfer. Anbieter wie ServiceNow zeigen das. Die Vision eines KI-PCs von Nvidia und Microsoft macht den Computer zum intelligenten Assistenten und eröffnet vielen Software-Häusern neue Geschäftsfelder. Auch der Bereich Cyber-Sicherheit hat sich gedreht. Beides gilt zugleich: Hardware bleibt vorn und Software zieht nach.

Sind die hohen US-Bewertungen eine Blase?

Hoch ja, Blase nein, jedenfalls noch nicht. Die US-Bewertungen sind seit Längerem ambitioniert. Der entscheidende Unterschied zur Dotcom-Zeit um die Jahrtausendwende ist aber die Substanz dahinter. Die großen Technologiekonzerne von heute sind hochprofitabel, während damals viele Hoffnungswerte nie einen Gewinn schrieben.

Solange der Investitionsboom rund um die KI ökonomisch begründet ist, können steigende Zinsen und steigende Aktienkurse durchaus parallel laufen, vor allem wenn die Zinsschritte schrittweise erfolgen. Das ist ein Grund für Disziplin und nicht für Sorge. Diese Einordnung haben wir ausführlicher in einem Gastbeitrag beschrieben: „Warum die hohen US-Bewertungen noch keine Blase sind“.

Soll ich beim SpaceX-IPO mitmachen?

Aus unserer Sicht nicht. Der Börsengang von SpaceX war der größte aller Zeiten und die Aktie schloss am ersten Tag rund 20 Prozent über dem Ausgabepreis. So spektakulär die Geschichte rund um Mars-Kolonien und Rechenzentren im Orbit klingt, so nüchtern fällt unser Blick auf die Zahlen aus. Dem riesigen Börsenwert steht kein Gewinn gegenüber und die Stimmrechte liegen zu rund 85 Prozent bei einer einzigen Person.

Für unsere Mandate haben wir uns bewusst gegen eine Zeichnung entschieden. Ein solcher Börsengang ist kurzfristig eher eine Spekulation als ein Investment. Spekulationswetten passen nicht zu unserer Vorstellung von verantwortungsvoller Vermögensverwaltung. Wer die Geschichte spannend findet, kann sie aus sicherer Entfernung beobachten.

Marktausblick Q3 2026, Aktien: KI sortiert die Gewinner: Hardware und Halbleiter bleiben vorn, aber Software und Europa spielen jetzt mit. Hohe US-Bewertungen sind ein Grund für einen kühlen Kopf. Und der größte Börsengang aller Zeiten erinnert daran, nie alles auf ein Pferd zu setzen, schon gar nicht auf eine Wette. Wer breit streut, hat die Gewinner von morgen mit hoher Wahrscheinlichkeit im Depot. Mehr zu Substanzwerten liest du hier.

Rohstoffe

Warum ist der Goldpreis gefallen, obwohl es Krisen gab?

Weil Gold in der akuten Krise wie eine Risikoanlage gehandelt wurde. Das überrascht viele, denn Gold gilt als sicherer Hafen. Vom Allzeithoch bei rund 5.595 US-Dollar Ende Januar 2026 ist der Preis um etwa 27 Prozent gefallen und notiert jetzt bei rund 4.155 US-Dollar. Seit Jahresbeginn steht damit ein moderates Minus von etwa 4 Prozent.

Marktausblick Q3 2026: Goldpreis in US-Dollar, rund 27 Prozent unter dem Allzeithoch von Ende Januar 2026.
Goldpreis in US-Dollar nach dem Rückgang vom Allzeithoch.

Im Iran-Konflikt wirkte Gold gerade nicht als Schutz, sondern wurde wie Aktien abverkauft. Dahinter stecken handfeste Gründe: anziehende Zinsen, Notverkäufe einzelner Notenbanken und eine nachlassende Nachfrage aus Indien. Das ist aber kein Versagen der langfristigen These, sondern bekannte Portfolio-Mechanik: Wenn Anleger kurzfristig Liquidität brauchen, verkaufen sie auch oder gerade das, was im Plus liegt.

Wir ordnen den Rückgang deshalb als normale Konsolidierung ein.

Ist Gold jetzt noch ein gutes Investment?

Ja, in seiner Rolle als Stabilitätsanker. Gold eignet sich vor allem als Absicherung gegen inflationäre Verluste und geopolitische Krisen, nicht als Renditetreiber. Als Faustformel halten wir eine Quote von rund 5 bis 10 Prozent für sinnvoll. In unserer Vermögen360-Analyse helfen wir dir gern, deine passende Gold-Allokation zu finden.

Marktausblick Q3 2026: Jährliche Erträge von Gold in US-Dollar im Zeitverlauf.
Jährliche Gold-Erträge in US-Dollar.

Charttechnisch ist der Bereich von 3.500 bis 4.000 US-Dollar eine wichtige Unterstützung und im Sommer dürfte sich entscheiden, in welche Richtung es weitergeht. Die langfristigen Treiber, allen voran die weltweit steigende Verschuldung und die Goldkäufe der Notenbanken, bleiben intakt. Eine Korrektur nach einem Anstieg über zweieinhalb Jahre ist nichts Ungewöhnliches. Wir sehen sie eher als spätere Gelegenheit zum Aufstocken und laufen einer Erholung nicht hinterher. Warum wir Gold als Basisinvestment betrachten, erklären wir hier.

Was ist mit Öl und anderen Rohstoffen?

Der Rücksetzer ist gesund, kein Trendbruch. Der Ölpreis hat nach dem Spike kräftig korrigiert, ebenso der breite Rohstoffindex. Das ordnen wir als Normalisierung nach einer Übertreibung ein, wie schon beim Ölpreis.

Rohstoffe außerhalb der Edelmetalle bleiben komplex und stark schwankungsanfällig. Der massive Energiebedarf durch KI-Rechenzentren und Elektrifizierung spricht zwar langfristig für eine steigende Nachfrage, ein Investment erfordert aber viel Know-how und aktives Management.

Marktausblick Q3 2026, Rohstoffe: Gold bleibt der Anker im Portfolio, kein Renditemotor. Dass es in der Krise mitfiel, ändert seine Rolle nicht, es erinnert nur daran, warum man Gold dosiert beimischt und nicht jagt. Bei Öl und Industrierohstoffen sehen wir eine Normalisierung, keinen Trendbruch.

Fazit: Was Anleger jetzt wissen müssen

Das dritte Quartal 2026 steht im Zeichen der Entspannung mit Restrisiko. Der Iran-Konflikt hat sich vorerst beruhigt, der Ölpreis ist gefallen und die Inflation hat ihren Hochpunkt überschritten. Gelöst ist damit aber noch nichts.

Weltwirtschaft: Europa bekommt Rückenwind durch günstigere Energie und eine sich aufhellende Konjunktur, muss ihn aber gegen neue US-Zölle und ein schwaches Deutschland verteidigen.

Geldpolitik: Die Inflation sinkt, die Notenbanken bleiben trotzdem wachsam. Die EZB hat im Juni erhöht und dürfte danach vorerst pausieren, die US-Zinsen bleiben länger hoch.

Anleihen: Die Renditen sind attraktiver, die Risikoaufschläge aber gefährlich niedrig. Qualität und mittlere Laufzeiten bevorzugen, High Yield meiden.

Aktien: Hardware bleibt der KI-Gewinner, Software spielt wieder mit. Europa und Emerging Markets bieten Chancen. Die hohen US-Bewertungen verlangen Disziplin, nicht Angst.

Rohstoffe: Gold bleibt Basisinvestment und Stabilitätsanker. Bei Öl und Industrierohstoffen sehen wir eine gesunde Normalisierung, sind aber wachsam, da sie kriegsbedingt weiterhin volatil sind.

Die wichtigste Regel: Nicht alles auf eine Karte setzen. Eine ausgewogene Strategie mit breiter Diversifikation über Regionen, Anlageklassen, Währungen und Branchen bietet die beste Grundlage, um Chancen zu nutzen und Risiken zu begrenzen.

FAQs

Beruhigt sich der Iran-Konflikt und was heißt das für die Märkte?

Teilweise. Mit dem Memorandum vom 17. Juni 2026 ist die akute Eskalationsgefahr aus den Kursen gewichen, was Aktien gestützt und den Ölpreis gedrückt hat. Das Abkommen ist aber fragil und hängt vom Verhalten regionaler Akteure ab. Als unabhängige Vermögensverwaltung raten wir, die Entspannung zu nutzen, ohne sich blind darauf zu verlassen.

Erhöht die EZB 2026 noch die Zinsen?

Vorerst nicht. Die EZB hat den Leitzins im Juni auf 2,25 Prozent erhöht und dürfte danach zunächst pausieren. Der gefallene Ölpreis hat den akuten Druck genommen. Für die nächsten Monate erwarten wir keinen weiteren Schritt. Sollte die hartnäckige Kerninflation über 2 Prozent wieder anziehen, bliebe eine spätere Erhöhung aber möglich.

Ist Gold nach dem Kursrückgang noch ein gutes Investment?

Ja, in seiner Rolle als Stabilitätsanker. Der absolute Preis ist weniger entscheidend als die langfristige Funktion im Portfolio. Gold ist um rund 27 Prozent vom Hoch gefallen und war im Konflikt kein sicherer Hafen, doch die langfristigen Treiber bleiben intakt. Wir halten eine Quote von rund 5 bis 10 Prozent für sinnvoll, als Absicherung und nicht als Renditetreiber.

Sind die hohen US-Bewertungen eine Blase?

Hoch ja, eine Blase nach unserer Einschätzung noch nicht. Anders als in der Dotcom-Zeit sind die großen Technologiekonzerne heute hochprofitabel. Solange der KI-Investitionsboom ökonomisch begründet ist, können Zinsen und Kurse parallel steigen. Das ist ein Grund für Disziplin und breite Streuung, nicht für Angst.

Lohnt sich ein Investment in Emerging Markets jetzt?

Als breite Beimischung schauen wir die Region genau an. Die Emerging Markets haben ihre lange Schwächephase beendet, handeln mit einem Bewertungsabschlag gegenüber den USA und profitieren vom KI-Hardware-Boom, vor allem Taiwan und Südkorea. China ist als Einzelwette riskant, im breiten Korb aber eine interessante Beimischung.

Soll ich beim SpaceX-IPO mitmachen?

Aus unserer Sicht nicht. Dem größten Börsengang aller Zeiten steht kein Gewinn gegenüber und die Stimmrechte sind stark konzentriert. Für unsere Mandate haben wir bewusst nicht gezeichnet. Ein solcher Börsengang ist kurzfristig eher Spekulation als Investment und Spekulationswetten passen nicht zu einer verantwortungsvollen Vermögensverwaltung.


Disclaimer: Vergangene Wertentwicklungen sind kein Indikator für zukünftige Ergebnisse. Diese Publikation dient nur zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung und keine Anlageempfehlung dar. Sie ist weder ein Angebot noch eine Aufforderung seitens oder im Auftrag der Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung GmbH zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Investmentfonds. Die enthaltenen Informationen wurden aus Quellen zusammengetragen, die als zuverlässig gelten. Die Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung GmbH gibt jedoch keine Gewähr hinsichtlich deren Zuverlässigkeit und Vollständigkeit und lehnt jede Haftung für Verluste ab, die sich aus der Verwendung dieser Information ergeben.

Ein Aha-Moment pro Monat. Mindestens.

Erhalten Sie 1x pro Monat Tipps für Ihr Vermögen, exklusive Strategie- & Markt-Updates und mindestens einen Aha-Moment. 

Anika Albrecht von Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung lächelnd im Porträt mit E-Mail-Symbol, aufgenommen in der Hamburger Innenstadt – Ihr Kontakt für Newsletter-Themen.
☎️ ... wenn Sie sich einen Rückruf von uns wünschen.
 
➡️ Sie können unseren Newsletter jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand der Mails genutzt und nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Disclaimer

Vorab: vergangene Wertentwicklungen sind kein Indikator für zukünftige Ergebnisse.
Außerdem: Diese Publikation dient nur zu Informationszwecken und zur Nutzung durch den Empfänger. Sie stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung seitens oder im Auftrag der Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung GmbH zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Investmentfonds dar. Die in der vorliegenden Publikation enthaltenen Informationen wurden aus Quellen zusammengetragen, die als zuverlässig gelten. Die Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung GmbH gibt jedoch keine Gewähr hinsichtlich deren Zuverlässigkeit und Vollständigkeit und lehnt jede Haftung für Verluste ab, die sich aus der Verwendung dieser Information ergeben.