In den letzten zehn Jahren vor der Rente sollte eine Anlagestrategie schrittweise angepasst werden: weg von einem wachstumsorientierten Portfolio hin zu einer Struktur, die Kapitalerhalt und planbare Entnahmen stärker gewichtet. Wie stark diese Umschichtung ausfällt, hängt von der individuellen Lebenssituation, dem vorhandenen Vermögen und dem persönlichen Risikoprofil ab. Die folgenden Fragen beleuchten die wichtigsten Aspekte dieses Übergangs.
Wie stark sollte das Portfolio in den letzten 10 Jahren vor der Rente umgeschichtet werden?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht, aber die Richtung ist klar: Je näher der Rentenbeginn rückt, desto wichtiger wird es, das Portfolio auf Stabilität und Liquidität auszurichten. Das bedeutet nicht, alle Risiken sofort zu eliminieren, sondern die Gewichtung der einzelnen Anlageklassen bewusst und schrittweise zu verschieben.
Wer zehn Jahre vor der Rente noch stark in schwankungsintensive Anlagen investiert ist, hat grundsätzlich noch Zeit, kurzfristige Marktrückgänge auszusitzen. Gleichzeitig wächst das Risiko, dass ein ungünstiger Zeitpunkt beim Renteneintritt das Vermögen dauerhaft belastet. Deshalb empfiehlt es sich, die Umschichtung nicht auf einen Schlag vorzunehmen, sondern in mehreren Schritten über die verbleibenden Jahre zu planen.
Gut zu wissen: Die richtige Balance zwischen Wachstum und Sicherheit ist individuell. Wer über ein breites Vermögen verfügt, etwa mit Immobilien oder Beteiligungen, kann im Wertpapierportfolio möglicherweise länger renditeorientiert bleiben als jemand, der ausschließlich auf Kapitalmarktanlagen angewiesen ist. Eine ganzheitliche Vermögensanalyse hilft dabei, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen.
Welche Risiken entstehen, wenn die Anlagestrategie unverändert bleibt?
Wer die Anlagestrategie kurz vor der Rente nicht anpasst, setzt sich dem sogenannten Sequence-of-Returns-Risiko aus: Fallen die Märkte genau dann stark, wenn die ersten Entnahmen beginnen, kann das die langfristige Tragfähigkeit des Vermögens erheblich beeinträchtigen, auch wenn sich die Märkte später wieder erholen.
Das Problem liegt in der Asymmetrie von Verlusten und Gewinnen. Ein Rückgang von 30 Prozent erfordert anschließend einen Anstieg von rund 43 Prozent, um wieder auf den Ausgangswert zu kommen. Wer in dieser Phase gleichzeitig Kapital entnimmt, verkauft Anteile zu niedrigen Kursen und verringert damit dauerhaft die Basis, die sich erholen kann.
Weitere Risiken bei unveränderter Strategie:
- Liquiditätsengpässe: Illiquide Anlagen lassen sich nicht kurzfristig und verlustfrei auflösen, wenn Geld benötigt wird.
- Fehlende Planbarkeit: Stark schwankende Portfolios erschweren eine verlässliche Entnahmeplanung.
- Emotionale Fehlentscheidungen: Wer kurz vor der Rente einen starken Kursrückgang erlebt, neigt eher zu überstürzten Verkäufen.
Was ist der Unterschied zwischen Anspar- und Entnahmephase?
Die Ansparphase ist die Zeit, in der Kapital aufgebaut wird. Regelmäßige Einzahlungen und ein langer Anlagehorizont erlauben es, Marktschwankungen zu tolerieren und von Zinseszinseffekten zu profitieren. Die Entnahmephase beginnt mit dem Renteneintritt: Statt Kapital zuzuführen, wird es schrittweise entnommen. Das verändert die Anforderungen an das Portfolio grundlegend.
In der Ansparphase ist Wachstum das zentrale Ziel. Kursschwankungen sind kein Problem, solange der Anlagehorizont lang genug ist. In der Entnahmephase rücken drei andere Ziele in den Vordergrund:
- Kapitalerhalt: Das Vermögen soll möglichst lange reichen.
- Planbare Erträge: Regelmäßige Entnahmen müssen verlässlich möglich sein.
- Flexibilität: Unvorhergesehene Ausgaben, etwa für Gesundheit oder Pflege, müssen abgedeckt werden können.
Die letzten zehn Jahre vor der Rente sind die Übergangsphase zwischen beiden Abschnitten. Hier beginnt die Strategie der Ansparphase, an ihre Grenzen zu stoßen, ohne dass die Entnahmephase schon vollständig eingesetzt hat. Genau deshalb ist dieser Zeitraum so entscheidend.
Welche Anlageklassen eignen sich besonders für die Übergangsphase?
In der Übergangsphase geht es darum, das Portfolio stabiler zu machen, ohne auf jede Renditechance zu verzichten. Geeignete Anlageklassen sind solche, die entweder geringere Schwankungen aufweisen, planbare Erträge liefern oder als Liquiditätspuffer dienen können.
Typischerweise spielen in dieser Phase folgende Anlageklassen eine größere Rolle:
- Anleihen mit kurzer bis mittlerer Laufzeit: Sie bieten planbare Zinserträge und sind weniger schwankungsanfällig als Aktien, tragen aber auch Zins- und Kreditrisiken.
- Dividendenorientierte Aktien: Unternehmen mit stabiler Ausschüttungshistorie können laufende Erträge liefern, ohne dass Anteile verkauft werden müssen.
- Liquiditätsreserve: Ein Teil des Vermögens sollte jederzeit verfügbar sein, um kurzfristige Entnahmen zu decken, ohne in ungünstigen Marktphasen verkaufen zu müssen.
- Sachwerte wie Immobilien: Wer bereits Immobilien hält, kann diese als stabilisierendes Element im Gesamtvermögen berücksichtigen.
Wichtig: Keine dieser Anlageklassen ist ohne Risiko. Anleihen reagieren auf Zinsänderungen, Dividenden können gekürzt werden und Immobilien sind illiquide. Welche Mischung passt, hängt von der Gesamtsituation ab und sollte individuell bewertet werden. Mehr dazu, wie eine solche Strategie aufgebaut werden kann, findest du unter professioneller Vermögensverwaltung.
Wann ist der richtige Zeitpunkt, einen Vermögensverwalter hinzuzuziehen?
Der richtige Zeitpunkt ist früher, als viele denken: Spätestens zehn Jahre vor dem geplanten Renteneintritt lohnt es sich, die bestehende Strategie professionell überprüfen zu lassen. Wer erst kurz vor der Rente handelt, hat weniger Spielraum für eine geordnete Umschichtung und läuft Gefahr, in einem ungünstigen Marktumfeld reagieren zu müssen.
Ein Vermögensverwalter bringt in dieser Phase mehrere konkrete Vorteile:
- Er bewertet das Gesamtvermögen, also nicht nur das Wertpapierdepot, sondern auch Immobilien, Beteiligungen und andere Vermögenswerte.
- Er entwickelt eine Entnahmestrategie, die auf die individuelle Lebenssituation und den Bedarf abgestimmt ist.
- Er überwacht das Portfolio laufend und passt es an veränderte Marktbedingungen oder persönliche Umstände an.
- Er hilft dabei, emotionale Entscheidungen in volatilen Phasen zu vermeiden.
Kleiner Tipp: Wer bereits ein komplexes Vermögen hat, etwa mit mehreren Anlageklassen, Erbschaften oder unternehmerischen Beteiligungen, sollte nicht warten, bis die Rente unmittelbar bevorsteht. Je früher eine klare Struktur steht, desto mehr Zeit bleibt, sie umzusetzen.
Wie ak. dich in der Übergangsphase zur Rente begleitet
Albrecht, Kitta & Co. begleitet vermögende Privatpersonen, Stiftungen und Family Offices genau in dieser entscheidenden Phase: wenn aus dem Aufbau von Vermögen die Frage wird, wie es langfristig erhalten und sinnvoll genutzt werden kann.
Als unabhängige Vermögensverwaltung aus Hamburg arbeiten wir ohne Konzernvorgaben und ohne Transaktionsgebühren. Unser Fokus liegt auf dem, was für dich passt, nicht auf dem, was sich am einfachsten verkaufen lässt. Konkret bedeutet das:
- Vermögen360-Analyse: Wir erfassen dein gesamtes Vermögen, von Wertpapieren über Immobilien bis zu Beteiligungen, und entwickeln daraus eine stimmige Gesamtstrategie für die Übergangsphase und den Ruhestand.
- Individuelle Entnahmeplanung: Wir erarbeiten gemeinsam mit dir, wie viel Kapital wann verfügbar sein muss und wie das Portfolio entsprechend strukturiert wird.
- Laufende Begleitung: Wir überprüfen die Strategie regelmäßig und passen sie an, wenn sich deine Lebenssituation oder das Marktumfeld verändert.
- Family Office Services: Für komplexere Vermögenssituationen bieten wir darüber hinaus umfassende Unterstützung bei allen vermögensbezogenen Themen.
Wenn du zehn Jahre vor der Rente stehst und wissen möchtest, ob deine aktuelle Strategie noch zu deiner Situation passt, sprich uns an. Nimm Kontakt auf und wir schauen gemeinsam, wo du stehst und was sinnvoll wäre.