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Chris Holzheu

Chris Holzheu ist Senior Kundenberater bei Albrecht, Kitta & Co. und kümmert sich zusammen mit seinen Kollegen um die Anlagestrategien unserer Mandanten.
Weiße Sanduhr mit goldenem Sand auf cremefarbenem Grund als Sinnbild für die Anlagestrategie vor der Rente

Anlagestrategie vor der Rente: Wie verändert sie sich in den letzten 10 Jahren?

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Chris Holzheu ist Senior Kundenberater bei Albrecht, Kitta & Co. und kümmert sich zusammen mit seinen Kollegen um die Anlagestrategien unserer Mandanten.

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Bei der Anlagestrategie vor der Rente ändert sich in den letzten zehn Jahren meist weniger das Ziel als die Ausgangslage. Teile deines Vermögens werden zu einem festen Termin gebraucht und aus dem Ansparen wird bald ein Entnehmen. Verluste kosten bei einem über Jahrzehnte gewachsenen Depot oft mehr Euro als je zuvor. Rund um den Rentenbeginn wiegen sie zudem besonders schwer, der Fachbegriff dafür ist Renditereihenfolge-Risiko. Dazu wird Liquidität zur Planungsgröße und Rente, Immobilie oder ein Firmenverkauf gehören mit in die Rechnung. Wie stark sich die Aufteilung dadurch verändert, ist individuell: Eine feste Regel nach Lebensalter gibt es nicht. Aus unserer Sicht als Albrecht, Kitta & Co., unabhängige Vermögensverwaltung aus Hamburg, beginnt die Antwort deshalb beim Gesamtvermögen, nicht beim Depot.

In diesem Beitrag geht es um die fünf Veränderungen dieser Dekade, um die Faustregel „100 minus Alter“ samt Lebenszyklusfonds und um die Frage, was ein Umschichten kostet. Eine Anleitung zum Umschichten ist bewusst nicht dabei, denn die Antwort hängt an Dingen wie deiner Rente, deiner Immobilie, deinem Entnahmebedarf und deiner Risikotragfähigkeit.

Warum zählen gerade die letzten zehn Jahre vor der Rente?

Die letzten zehn Jahre vor der Rente zählen besonders, weil derselbe Prozentverlust dann oft die meisten Euro kostet und danach weniger Zeit zum Aufholen bleibt. Der US-Finanzplaner Michael Kitces nennt die letzte Dekade vor und die erste Dekade nach dem Rentenbeginn die „retirement red zone“, also die rote Zone rund um den Ruhestand (kitces.com, 05.10.2016). Er begründet das mit dem Portfolio-Größen-Effekt: Wie stark eine Rendite in Euro wirkt, hängt davon ab, wie groß das Vermögen in diesem Moment ist. Kurz vor der Rente ist es bei vielen so groß wie nie zuvor.

Ein vereinfachtes Rechenbeispiel zeigt die Mechanik. Ein Rückgang um 20 % kostet bei einem Depot von 200.000 € genau 40.000 €. Ist dasselbe Depot über die Jahre auf 1.000.000 € gewachsen, kostet derselbe Rückgang 200.000 €, also das Fünffache in Euro. Das Beispiel ist eine eigene, hypothetische Rechnung: Es beschreibt die Mechanik und sagt keinen Rückgang voraus.

Dazu kommt eine einfache Asymmetrie beim Aufholen: Nach einem Rückgang um 30 % braucht ein Depot einen Anstieg um rund 43 % (genau 42,9 %), um wieder den Ausgangswert zu erreichen. Das ist reine Mathematik (1 geteilt durch 0,7) und gilt in jeder Marktphase.

Was verändert sich an der Anlagestrategie vor der Rente?

An der Anlagestrategie vor der Rente verändern sich in den letzten zehn Jahren vor allem fünf Dinge. Der Anlagehorizont teilt sich, aus Ansparen wird Entnehmen und das Renditereihenfolge-Risiko bekommt Gewicht. Außerdem erhalten Liquidität und andere Bausteine klarere Aufgaben, während Rente, Immobilie oder Firma mit in die Rechnung rücken. Jedes davon kann für sich die Aufteilung beeinflussen, zusammen ergeben sie die Ausgangslage, mit der eine Strategie arbeiten muss.

Wie verändert sich der Anlagehorizont vor der Rente?

Erstens teilt sich der Anlagehorizont. Geld für die ersten Jahre nach dem Rentenbeginn bekommt einen nahen Termin, vielleicht für eine größere Reise oder den Umbau des Hauses. Der übrige Teil behält meist seinen langen Horizont, denn er soll auch Jahrzehnte nach dem Rentenbeginn noch tragen. Das Geld für das Jahr, in dem du 80 wirst, hat noch viel Zeit.

Wie weit der Anlagehorizont im Ruhestand reicht, zeigt die Statistik. Die durchschnittliche Rentenbezugsdauer lag 2024 bei 18,9 Jahren für Männer und 22,1 Jahren für Frauen (Deutsche Rentenversicherung Bund, Rentenatlas 2025). Das sind Durchschnittswerte, viele leben deutlich länger.

Das ganze Depot wird vor der Rente deshalb nicht automatisch kurzfristig. In einem eigenen Beitrag zeigen wir, wie du Geld nach Zweck und Termin sortierst.

Was ändert sich, wenn aus Ansparen Entnehmen wird?

Zweitens dreht sich die Richtung des Geldflusses. In der Ansparphase fließt regelmäßig neues Geld ins Depot. Fallen die Kurse, kaufen diese Einzahlungen günstiger ein und können von einer späteren Erholung profitieren. In der Entnahmephase fehlt dieser Ausgleich: Musst du in einer schwachen Marktphase Geld entnehmen, verkaufst du Anteile zu niedrigen Kursen.

Damit verschiebt sich die wichtigste Planungsgröße von der Sparrate zum Entnahmebedarf. Der Entnahmebedarf ist der Betrag, den deine Ausgaben nach Abzug von Rente und anderen Einnahmen wie Mieten noch vom Vermögen verlangen. Dabei zählt, was netto ankommt, denn auch die gesetzliche Rente ist zu einem großen Teil steuerpflichtig. Ob dein Bedarf über die Jahre gleich bleibt oder etwa in den ersten aktiven Ruhestandsjahren höher ausfällt, ist eine persönliche Frage.

Für viele fühlt sich dieser Wechsel ungewohnt an. Jahrzehntelang ist das Depot gewachsen, jetzt soll es etwas abgeben.

Was ist das Renditereihenfolge-Risiko und warum wächst es vor der Rente?

Drittens bekommt ein Risiko Gewicht, das in der Ansparphase kaum auffällt. Das Renditereihenfolge-Risiko (international Sequence-of-Returns-Risk) beschreibt, dass bei laufenden Ein- und Auszahlungen nicht nur die durchschnittliche Rendite zählt, sondern auch die Reihenfolge, in der gute und schlechte Jahre kommen. Solange weder Geld hinzukommt noch abfließt, ist die Reihenfolge für das Endergebnis egal. Sobald Geld abfließt, wirken schwache Jahre rund um den Entnahmebeginn stärker als dieselben Jahre später. Denn jede Entnahme in einem Tief verkleinert die Basis, auf der eine spätere Erholung wirkt.

Wie stark die Renditereihenfolge wirken kann, hat Vanguard Research in einer historischen Auswertung auf US-Daten seit 1926 untersucht („Safeguarding retirement in a bear market“, Juni 2020). Wer mitten in einen schweren Kursrückgang hinein in Rente ging, hatte sein Vermögen innerhalb von 35 Ruhestandsjahren deutlich häufiger aufgebraucht: Der Anteil lag um 31 Prozentpunkte höher als bei Anlegern, deren Rentenbeginn nur ein bis zwei Jahre früher oder später lag. Die Studie rechnet mit einer gleichbleibenden, an die Inflation angepassten Entnahme. Sie ist keine Prognose, vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

Abschalten lässt sich das Renditereihenfolge-Risiko zwar nicht. Doch die Jahre vor der Rente lassen Zeit, es durchzurechnen, bevor die erste Entnahme fällig wird. Was das Risiko für die Reichweite eines Vermögens bedeutet, zeigen wir im Beitrag darüber, wie weit dein Kapital im Ruhestand trägt.

Welche Aufgaben bekommen Liquidität und andere Bausteine vor der Rente?

Viertens bekommen die Bausteine deines Vermögens klarere Aufgaben, allen voran die Liquidität, weil feste Termine wie die ersten Entnahmen näher rücken. Die Liquidität verstehen wir ohnehin als strategischen Baustein des Vermögens und nicht als zufälligen Resteposten.

Vom Entnahmegeld zu unterscheiden ist der Notgroschen. Er deckt Unvorhergesehenes ab, etwa eine kaputte Heizung oder eine hohe Zahnarztrechnung. Unsere Orientierung dafür sind drei bis sechs Monatsausgaben, eine verbindliche Norm gibt es nicht. Wie viel darüber hinaus liquide sein sollte, folgt aus deinem Entnahmeplan und lässt sich nicht pauschal beziffern.

Liquidität ist dabei nur eine von mehreren Rollen, die Bausteine im Gesamtvermögen übernehmen können, jede mit ihrem eigenen Preis:

  • Verfügbarkeit: Liquidität hält Geld für Termine bereit. Dafür bringt sie wenig Ertrag und verliert durch die Inflation an Kaufkraft.
  • Stabilität: Schwankungsärmere Bausteine können ein Depot ruhiger machen. Verlustfrei sind auch sie nicht, sie reagieren etwa auf Zinsänderungen.
  • Wachstum: Aktien und Beteiligungen können helfen, die Kaufkraft über Jahrzehnte zu erhalten. Dafür können sie kräftig schwanken, auch über mehrere Jahre.
  • Eigenständiger Ertrag: Total Return Investments sind Strategien, die einen Ertrag unabhängig von der Marktrichtung anstreben. Anstreben heißt, dass ein Ertrag nicht garantiert ist und Verluste möglich bleiben.
  • Weitere Rollen: Bei größeren Vermögen etwa Private Equity, mit eigenen Risiken wie einer eingeschränkten Handelbarkeit.

Welche Rolle wie viel Gewicht bekommt, ist eine Frage deiner Gesamtsituation.

Warum gehören Rente, Immobilie und Firma mit in die Rechnung?

Fünftens rückt das Gesamtvermögen in den Mittelpunkt, denn die Anlagestrategie vor der Rente lässt sich nicht am Depot allein festmachen. Immobilien, Beteiligungen und Rentenansprüche gehören genauso zur Rechnung wie das Depot. Rentenansprüche sind dabei zwar keine Anlageklasse, verändern aber, wie viel Schwankung dein Depot tragen kann und wie viel es tragen muss.

Die Regelaltersgrenze für die gesetzliche Rente liegt nach geltendem Recht bei 67 Jahren für alle, die 1964 oder später geboren sind (§ 35 Satz 2 und § 235 SGB VI, Stand Oktober 2026). Wer heute zwischen 50 und 60 ist, gehört zu diesen Jahrgängen. Maßgeblich bleibt deine aktuelle Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Was ein früherer Start kostet, steht in den FAQ.

Eine Immobilie kann das Gesamtvermögen stabilisieren, zum Beispiel durch laufende Mieteinnahmen. Zugleich lässt sie sich kaum kurzfristig verkaufen und bindet oft einen großen Teil des Vermögens an einem Ort. Das nennt man Klumpenrisiko: Ein einzelner Wert bestimmt das Ergebnis des Ganzen stark mit.

Für Unternehmerinnen und Unternehmer steht vor der Rente oft der Verkauf oder die Übergabe der Firma an. Aus gebundenem Unternehmenswert wird auf einen Schlag Liquidität, die einen Termin und eine Aufgabe braucht.

Gilt die Faustregel „100 minus Alter“ vor der Rente noch?

Die verbreitete Faustregel „100 minus Alter“ taugt vor der Rente nicht als feste Regel, denn sie kennt nur eine einzige Größe: dein Lebensalter. Ihr Ursprung lässt sich nicht eindeutig belegen. Nach der Regel soll der Aktienanteil in Prozent dem Wert 100 minus Lebensalter entsprechen. Belegt ist eine verwandte Variante: Vanguard-Gründer John C. Bogle sagte im Interview mit dem Magazin TIME, der Anleiheanteil solle dem eigenen Alter entsprechen („10 Questions for John Bogle“, 04.09.2005). Daneben kursieren Fassungen mit 110 oder 120 statt 100 (Estrada, IESE, Juli 2015). Dass die Konstante so schwankt, spricht dafür, dass sie keine hergeleitete Zahl ist.

Lebenszyklus- oder Zieldatumfonds folgen einer ähnlichen Logik: Ihr Aktienanteil sinkt nach einem festen Pfad, dem sogenannten Gleitpfad (Glide Path), je näher ein Zieljahr rückt. Das geschieht automatisch, denn für den Pfad zählt allein das Zieljahr. Deine Rentenansprüche, eine Immobilie, dein Entnahmebedarf oder ein geplanter Firmenverkauf fließen nicht ein.

Selbst in der Forschung ist umstritten, ob der Aktienanteil rund um den Rentenbeginn sinken, steigen oder gleich bleiben sollte. Wade Pfau und Michael Kitces kamen in einer Modellrechnung zu dem Ergebnis, dass ein im Ruhestand wieder steigender Aktienanteil das Risiko eines aufgebrauchten Vermögens senken kann (Journal of Financial Planning, Januar 2014). Javier Estrada verglich mit historischen Daten aus 19 Ländern fallende, steigende und gleichbleibende Pfade, dabei schnitten einfache gleichbleibende Aufteilungen nicht schlechter ab (IESE, Juli 2015). Beides sind Modellrechnungen bzw. Auswertungen vergangener Daten und keine Prognosen, vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

Wie du die Gewichtung grundsätzlich angehst, erklärt unser Beitrag zur Asset Allocation. In unseren Praxisbeispielen zeigen wir außerdem, wie wir Vermögen mit verschiedenen Zielen strukturieren.

Was kostet es, die Anlagestrategie vor der Rente umzustellen?

Wer die Anlagestrategie vor der Rente auf weniger Schwankung umstellt, kann dafür drei Preise zahlen:

  1. Ertragschancen und Kaufkraft: Wer früh und weitgehend umschichtet, gibt Ertragschancen über einen Horizont auf, der weit über den Rentenbeginn hinausreichen kann. Schwankungsarme Anlagen halten mit der Inflation oft schlechter Schritt.
  2. Steuern: Wer Wertpapiere mit Gewinn verkauft, realisiert diesen Gewinn. Darauf kann Abgeltungsteuer anfallen: 25 % zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag auf die Steuer (§ 32d Abs. 1 EStG, § 4 SolZG), gegebenenfalls zuzüglich Kirchensteuer. Kapitalerträge eines Jahres bleiben bis zum Sparer-Pauschbetrag von 1.000 €, bei Zusammenveranlagung 2.000 €, steuerfrei (§ 20 Abs. 9 EStG). Alle Angaben nach dem Stand Oktober 2026. Wie sich das in deinem Fall auswirkt, klärst du mit deiner Steuerberaterin oder deinem Steuerberater.
  3. Timing: Auch ein umgeschichtetes Depot ist nicht vor allen Verlusten geschützt. Wer erst in einer schwachen Phase umschichtet, schreibt Verluste womöglich gerade dann fest.

Hinzu kommt die emotionale Seite: Ein Kursrückgang kurz vor der Rente fühlt sich oft bedrohlicher an als mit Mitte dreißig. Ob und wie stark du umschichtest, bleibt deshalb eine individuelle Abwägung zwischen Schwankung heute und Kaufkraft morgen.

Wie begleitet ak. die letzten Jahre vor der Rente?

Wir sind Albrecht, Kitta & Co., eine unabhängige, inhabergeführte Vermögensverwaltung aus Hamburg mit Family Office Services. Wenn die Rente in Sicht kommt, beginnen wir beim Gesamtvermögen und rechnen den Weg über die Zeit.

Ein wichtiger Schritt unserer Kundenreise ist die Vermögen360-Analyse. Von ihren drei Bausteinen tragen in den Jahren vor der Rente vor allem zwei. Wir machen mit dem ak. Optimizer dein Gesamtvermögen sichtbar, also Struktur, Kosten und Klumpenrisiken über alle Vermögenswerte hinweg. Daraus entwickeln wir die strategische Asset Allocation, passend zu deinen Zielen und deiner Risikotragfähigkeit.

ak. Planning stellt deine Einnahmen und Ausgaben im Zeitverlauf gegenüber, inklusive vorhersehbarer Cash-Events wie einer Erbschaft. Damit rechnen wir durch, ob und wie lange dein Vermögen trägt, auch wenn die ersten Jahre schwach laufen. Mit ak. Planning rechnen wir auch den Krisenfall durch: wie sich deine Vermögensstruktur zusammen mit deinen Einnahmen und Ausgaben in einer solchen Phase hält und was das für deine weitere Planung bedeutet. So wird das Renditereihenfolge-Risiko für deine eigene Situation greifbar. Wir rechnen dabei Was-wäre-wenn-Fälle durch und sagen keinen Marktverlauf voraus.

Im individuellen Mandat sprichst du mit deiner Beraterin oder deinem Berater in der Regel einmal pro Quartal. Dort ist Raum für neue Fragen, etwa wenn sich dein geplanter Rentenbeginn verschiebt. Ein besseres Anlageergebnis können wir damit allerdings nicht zusagen, denn Marktrisiken bleiben bestehen.

Sprich mit uns

Passt deine heutige Aufteilung noch zu deinem geplanten Rentenbeginn, deinem Entnahmebedarf und deinem Gesamtvermögen? Wenn du dir dabei nicht sicher bist, lass uns darüber sprechen. Ein Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich.

Für ein individuelles Mandat bei Albrecht, Kitta & Co. liegt der Einstieg in der Regel bei 1 Million Euro. Mit ak.digital kannst du bereits ab 25.000 Euro anlegen.

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Häufige Fragen zur Anlagestrategie vor der Rente

Ab wann solltest du deine Anlagestrategie vor der Rente überprüfen?

Eine gesetzliche oder feste Frist gibt es dafür nicht. In der Fachliteratur gelten vor allem die Jahre rund um den Rentenbeginn als besonders empfindlich. Der US-Finanzplaner Michael Kitces zählt dazu die letzte Dekade vor und die erste Dekade nach dem Rentenbeginn (kitces.com, 2016). Je mehr Jahre bis zum Rentenbeginn bleiben, desto mehr kannst du in Ruhe abwägen und desto weniger musst du unter Zeitdruck entscheiden. Wann der passende Moment für dich ist, hängt von deiner Situation ab und lässt sich im persönlichen Gespräch klären.

Solltest du vor der Rente alle Aktien verkaufen?

Ob du vor der Rente alle Aktien verkaufst, lässt sich nicht pauschal beantworten, denn ein Komplettverkauf senkt das Kursrisiko der Aktien und erhöht zugleich das Risiko, durch die Inflation Kaufkraft zu verlieren. Ganz ohne Schwankung ist ein Depot aber auch ohne Aktien nicht. Zudem muss dein Vermögen oft weit über den Rentenbeginn hinaus tragen und ein Verkauf kann Steuern auf aufgelaufene Gewinne auslösen. Rentenansprüche, eine Immobilie oder Beteiligungen verändern, wie viel Schwankung dein Depot tragen kann und wie viel es tragen muss. Wie du Schwankungs- und Kaufkraftrisiko gegeneinander abwägst, hängt deshalb von deinem Gesamtvermögen, deinem Entnahmebedarf und deiner Risikotragfähigkeit ab und lässt sich im persönlichen Gespräch klären.

Wie viel Geld solltest du vor der Rente liquide halten?

Eine allgemeingültige Zahl gibt es dafür nicht, denn Liquidität erfüllt vor der Rente zwei Aufgaben. Der Notgroschen deckt Unvorhergesehenes ab. Als Orientierung nennen wir bei Albrecht, Kitta & Co. dafür drei bis sechs Monatsausgaben, eine verbindliche Norm gibt es nicht. Geplante Entnahmen nach dem Rentenbeginn sind eine eigene Größe, die aus deinem Entnahmeplan folgt. Für uns ist Liquidität deshalb ein strategischer Baustein, der bewusst geplant wird. Zugleich bringt sie wenig Ertrag und verliert durch die Inflation an Kaufkraft, mehr Liquidität ist also nicht automatisch besser.

Wie viel deiner gesetzlichen Rente musst du versteuern?

Wie viel deiner gesetzlichen Rente steuerpflichtig ist, hängt vom Jahr deines Rentenbeginns ab. Bei Rentenbeginn 2026 unterliegen 84,0 % der Rente der Besteuerung, bei Rentenbeginn 2033 sind es 87,5 % und bei Rentenbeginn 2036 89,0 %. Seit 2023 steigt der Anteil für jedes spätere Jahr des Rentenbeginns um 0,5 Prozentpunkte, ab Rentenbeginn 2058 sind es 100 % (§ 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Doppelbuchst. aa EStG, Stand Oktober 2026). Der steuerfreie Teil wird im Jahr nach dem Rentenbeginn als fester Betrag festgeschrieben. Was das für deine Steuerlast bedeutet, klärst du mit deiner Steuerberaterin oder deinem Steuerberater.

Ab wann kannst du in Rente gehen und was kostet ein früherer Start?

Nach geltendem Recht liegt die Regelaltersgrenze für alle ab Jahrgang 1964 bei 67 Jahren (§ 35 und § 235 SGB VI). Nach 35 Jahren Wartezeit ist die Altersrente für langjährig Versicherte schon ab 63 möglich, allerdings mit einem Abschlag von 0,3 % für jeden Monat vor der Regelaltersgrenze (§ 36 und § 77 Abs. 2 SGB VI). Mit 63 statt 67 sind das 48 Monate und damit 14,4 % weniger Rente, dauerhaft (eigene Rechnung). Wer 45 Jahre Wartezeit erfüllt, kann nach geltendem Recht mit 65 ohne Abschlag in Rente gehen (§ 38 SGB VI). Alle Angaben nach dem Stand Oktober 2026. Was für dich gilt, zeigt deine Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung.

Was ändert sich, wenn du kurz vor dem Ruhestand deine Firma verkaufst?

Ein Firmenverkauf verwandelt gebundenen Unternehmenswert in Liquidität. Damit löst sich oft das größte Klumpenrisiko auf, denn bis dahin hing ein großer Teil des Vermögens an einem einzigen Unternehmen. Zugleich entsteht eine neue Aufgabe: Wie der Erlös angelegt wird, hängt davon ab, wofür und wann er gebraucht wird, etwa für laufende Entnahmen, für die Familie oder für den langfristigen Vermögensaufbau. Steuerlich bringt ein Verkauf eigene Fragen mit, die du mit deiner Steuerberaterin oder deinem Steuerberater klärst.

Dieser Beitrag dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung, Anlageempfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Er ersetzt keine individuelle, auf deine persönliche Situation abgestimmte Beratung. Kapitalanlagen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

Die steuerlichen Angaben in diesem Beitrag sind allgemeine Information nach dem Stand Oktober 2026 und keine Steuerberatung. Wie sich das in deinem Fall auswirkt, klärst du am besten mit deiner Steuerberaterin oder deinem Steuerberater.

Die Angaben zur gesetzlichen Rente entsprechen dem geltenden Recht nach dem Stand Oktober 2026. Maßgeblich für dich ist deine persönliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Fragen zu deinem eigenen Rentenanspruch klärt die Deutsche Rentenversicherung in ihrer Beratung.

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