Investment | 12. Februar 2020

Vertical Farming – Gemüseanbau von Morgen

Veröffentlicht als Gastkommentar (11. Februar 2020) bei

VERMÖGENSVERWALTER ALBRECHT, KITTA & Co. ÜBER VERTICAL FARMING

Gemüseanbau von morgen

Gemüse wird künftig in vertikalen Gewächshäusern angebaut, meint Oliver Zastrow, Vermögensverwalter bei Albrecht, Kitta & Co. Noch gibt es allerdings einen Knackpunkt.

In ausgesuchten Supermärkten gibt es sie schon: Neuartige, vertikale Gewächshäuser, die aussehen wie große gläserne Kühlschränke, in denen Gemüse und Salat wachsen. LEDs ersetzen hier die Sonne, die Pflanzen wurzeln in wiederverwendbaren Kunststoffmatten, eine Substratlösung liefert die benötigten Nährstoffe und die Bewässerung ist gesteuert. Die Technologie, die sich erst einmal ziemlich künstlich anmutet, liefert erstaunliche Ergebnisse: Der angebaute Salat und das Gemüse schmecken ausgezeichnet und sind ausgesprochen aromatisch – im Gegensatz zu den herkömmlich erzeugten Produkten, bei denen selbst ansehnliche, rote Rispentomaten sich vor allem durch einen hohen Grad an Geschmacklosigkeit auszeichnen.

Die innovative Anbaumethode verfügt über weitere Vorteile: So ist der Einsatz von Pestiziden obsolet, denn Ungeziefer sind bei der neuen Technologie kein Thema. Außerdem sorgt die künstliche Beleuchtung dafür, dass die Pflanzen auch im Winter 18 Stunden lang wachsen, was die Anbauzeit verkürzt und den Ertrag erhöht. Gleichzeitig verbraucht Vertical Farming wesentlich weniger Wasser als herkömmliche Anbaumethoden. Die Einsparung beläuft sich im Vergleich zu üblichen Gewächshäusern auf 40 Prozent, gegenüber der Zucht auf dem Acker sogar auf 80 Prozent. Der Platzbedarf fällt ebenfalls signifikant geringer aus. Schließlich entfallen die langen Transportwege, für das meistens noch halbwegs unreif geerntete Gemüse. Das dürfte gleichzeitig die damit verbunden CO2-Emissionen spürbar verringern.

Hohe Energiekosten

Einen entscheidenden Makel gibt es beim Vertical Farming bislang dennoch. Das Konstant-Halten der Temperatur bei gut 20 Grad und die Beleuchtung verbrauchen vergleichsweise viel Strom. Das verhagelt gerade in einem Land wie der Bundesrepublik mit im internationalen Vergleich extrem hohen Energiekosten die Preise der künstlichen angebauten Lebensmittel. Folgerichtig ordern daher in Deutschland bislang vor allem höherpreisige Hotels und Restaurants die zwar kostspieligen, dafür aber qualitativ hochwertigen Produkte. Bei ihnen fallen die höheren Einkaufspreise weniger ins Gewicht als bei der Billig-Konkurrenz.

In Ländern mit einer hohen Sonneneinstrahlung, wo erneuerbare Energien besonders preisgünstig sind, sieht die Kalkulation dagegen schon ganz anders aus. Gerade in diesen Regionen ist außerdem häufig auch noch das Wasser knapp, was sie für die neuartigen Gewächshäuser geradezu prädestiniert – zum Beispiel für die arabischen Länder.

Während Vertical Farming in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, spielt die innovative Anbaumethode in technikaffinen Ländern wie den USA und Japan schon eine ganz andere Rolle. Vor allem in den Vereinigten Staaten treibt die zunehmende Legalisierung von Cannabis die Ausbreitung der neuen Anbaumethode voran. Wahrscheinlich spielen hier weniger der Wasserverbrauch und die Platzeinsparung eine entscheidende Rolle, sondern mehr, dass sich durch Vertical Farming die Eigenschaften der gezüchteten Pflanzen passgenau steuern lassen. Das gilt sowohl für das Aroma von Salaten und Tomaten als auch für den THC-Gehalt von Marihuana.

Keine Lösung des zunehmenden Lebensmittelbedarfs

Bei allen Vorteilen des Vertical Farmings darf man sich davon allerdings keine Wunder versprechen. Die innovative Technologie ist gut geeignet für den Anbau von Gemüse vor Ort beim Verbraucher, für die Produktion großer Mengen von Reis, Getreide oder Kartoffeln ist sie kaum geeignet. Das Problem, dass eine weiterwachsende Weltbevölkerung ernährt werden will, lässt sich damit nicht lösen.

Dennoch sind die Wachstumsaussichten hervorragend. Das gilt zumindest dann, wenn sich folgende Prognose bestätigen sollte: Das Marktforschungsunternehmen Navigant veranschlagt derzeit den Markt für LED-Anwendungen für den Agrarsektor auf rund 800 Millionen Dollar pro annum. Das Volumen soll bis zum Jahr 2027 auf 3,7 Milliarden Dollar steigen. Das würde mehr als eine Vervierfachung bedeuten.

In den westlichen Industriestaaten und Japan bietet sich das Vertical Farming sicherlich vor allem für die Großstädte an, wo wenig oder gar keine Anbauflächen für frisches Gemüse vorhanden sind. In Nippon werden bereits erste leerstehende Fabrikhallen dafür genutzt. Wenn Autos zunehmend aus den Innenstädten verdrängt werden, könnten auch Parkhäuser eine neue Verwendung finden.

Bisher kaum investierbar

Interessierte Anleger müssen allerdings noch abwarten, bis die ersten Anbieter ihr Debut an der Börse feiern. Bislang lässt sich nur indirekt auf das Thema setzen – zum Beispiel durch Investments in LED-Hersteller. Doch dabei handelt es sich nicht um sogenannte Pure Plays – im Gegenteil: Die Nachfrage aus dem Agrarsektor spielt hier noch eine untergeordnete Rolle. Der Erfolg am Aktienmarkt von Beyond Meat hat jedoch trotz der zwischenzeitlichen Korrektur gezeigt, wie lohnenswert das Warten auf einen neuen Trend in der Lebensmittelindustrie sein kann.

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