Achtung: Die Inflation steigt

Achtung: Die Inflation steigt

Die 25.000-Euro-Frage
Achtung: Die Inflation steigt

Ein Gastbeitrag von Oliver Zastrow

Die Vermögenspreise, also Aktien, Immobilien oder Gold, steigen bereits seit Jahren. Jetzt ziehen auch die Preise für Verbrauchsgüter an. Ernsthafte Gefahren für die Aktienmärkte bestehen trotzdem nicht. Oder?

Oliver Zastrow arbeitet als Direktor
beim unabhängigen Vermögensverwalter
Albrecht, Kitta & Co. in Hamburg.

Die Meldung aus den USA ist ein Hammer: Im April stieg dort die Inflationsrate auf 4,2 Prozent. Das hängt allerdings zu einem guten Teil mit einem Basiseffekt

zusammen. Denn im vergangenen Jahr waren die Preise Corona-bedingt stark gefallen.
Auch in Europa ziehen die Verbraucherpreise an, wenn auch spürbar schwächer. Im April erhöhte sich die Teuerungsrate auf 1,6 Prozent. Ein wesentlicher Preistreiber jenseits und diesseits des Atlantiks sind die Energiepreise. So hat sich der Preis für ein Fass (159 Liter) Rohöl der Sorte Brent Crude auf Sicht eines Jahres um mehr als 90 Prozent verteuert. Im vergangenen Jahr gab es aufgrund des Verkehrs-Lockdowns ein erhebliches Überangebot, was den Ölpreis in der Spitze auf nur noch gut 20 Dollar einbrechen ließ. Ganz anders in diesem Jahr: Jetzt zieht die Nachfrage an.


Vor allem in den USA hebt der Luftverkehr wieder ab. Gleichzeitig beginnt in den Vereinigten Staaten die sommerliche Driving-Saison. Die Menschen fahren dann erfahrungsgemäß wieder mehr mit dem Auto. Die steigende Nachfrage stößt auf ein limitiertes Angebot. Denn aufgrund die niedrigen Preise haben die Ölmultis in den vergangenen Jahren ihre Investitionen in die Suche und die Erschließung neuer Vorkommen spürbar zurückgefahren.


Rohstoffe, Chips und Lebensmittel werden teurer
Der Preis für Rohöl ist beileibe nicht der einzige, der anzieht. Vor allem in China brummt die Konjunktur. In der Volksrepublik ist die Wirtschaft im ersten Quartal um sage und schreibe 18 Prozent durch die Decke gegangen. Damit steigt auch der Hunger nach Kupfer, Eisenerz und Co. Halbleiter haben sich ebenfalls stark verteuert. Auch hier übersteigt die Nachfrage das Angebot. Und so schnell lassen sich keine neuen Kapazitäten aufbauen. Der Holzpreis hat sich in den vergangenen Monaten sogar vervielfacht. Ein wesentlicher Grund hierfür ist der Bauboom in den USA. Außerdem haben Sägewerke während der Corona-Pandemie teilweise den Betrieb eingestellt.
Schließlich sind zuletzt auch verschiedene Lebensmittel spürbar teurer geworden. Das gilt vor allem für Obst und Gemüse. Das liegt allerdings weniger an der anziehenden Konjunktur, sondern vor allem an wetterbedingten Ernteausfällen.

Insbesondere in Europa könnten in den kommenden Monaten noch nennenswerte Nachholeffekte dazukommen. Denn hier gab es einen wesentlich längeren Lockdown als in China und einen wesentlich härteren als in den USA. Während der Pandemie haben die Konsumenten ihre Ausgaben massiv zurückgefahren und sehr viel mehr Geld als sonst üblich zur Seite gelegt. Die Preise im Tourismus-Bereich haben bereits zugelegt.


Aktienmärkte leicht nervös

Beim Thema Inflation sind die Börsianer vergleichsweise sensibel. Doch wahrscheinlich dürfte es bei den Preisen Entwarnung geben – das gilt vor allem für die Verbraucherpreise, also denen für Produkte und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs. Denn die Basiseffekte dürften sich zunehmend ausschleifen. Beispielsweise notiert der Ölpreis (Brent) seit Jahresanfang deutlich über der Marke von 50 Dollar. Im vergangenen Jahr hat er von Anfang März bis Ende Dezember darunter gelegen. Spätestens im Frühjahr 2022 wird sich die höhere Vergleichsbasis dämpfend auf die Preissteigerung auswirken.
Gleichzeitig werden die Nachholeffekte höchstwahrscheinlich zeitlich begrenzt sein. Bildlich ausgedrückt werden die Verbraucher, die neue Badehose, die sie im vergangenen Jahr aufgrund der ausgefallenen Sommerferien nicht gekauft haben, jetzt kaufen. Aber brauchen sie dann umgehend eine weitere? Wohl kaum.
Vor diesem Hintergrund haben die großen Notenbanken ziemlich klar angedeutet, dass sie an ihrer ultralockeren Geldpolitik festhalten werden. Es ist also weiterhin mit eher niedrigen Zinsen und viel Liquidität zu rechnen. Wenn es dann noch zu etwas mehr Inflation kommt, ist das Umfeld für Sachwerte nahezu ideal. Denn Gold, Immobilien und Aktien schützen erfahrungsgemäß am wirksamsten vor Geldentwertung. Im Gegensatz zu den Verbraucherpreisen dürften also die Vermögenspreise weiter steigen.


Die 25.000 Euro-Frage Sollte ein Anleger vor dem Luxus-Problem stehen, 25.000 Euro anlegen zu müssen, ist Folgendes anzuraten. Die Aktien-Investments sollten weltweit verteilt werden. Regional interessant sind vor allem die USA und China als die beiden größten

Volkswirtschaften der Welt. Generell sind insbesondere die Aktiengesellschaften attraktiv, denen es gelingt, steigende Preise für Rohstoffe und anderes an die Verbraucher weiterzugeben. Gold gehört als stabilisierendes Element ebenfalls ins Portfolio. Immobilien laufen als schwer veräußerliche Investments unabhängig von den Wertpapieren.
Bei einem ausgewogenen Depot kann die Aktienquote bis zu 50 Prozent betragen. Die Barmittel können genutzt werden, um bei möglichen Korrekturen preiswerter nachzukaufen. Bei einer dynamischen, aber auch risikoreicheren Ausrichtung des Portfolios kann der Cash-Anteil auf zehn Prozent sinken. So oder so sollten die Anleger aber auf jeden Fall die Inflationsrate im Blick behalten. Sollte sie wider Erwarten nicht abflachen beziehungsweise wieder sinken, könnte Aktien stärker unter Druck geraten. Doch danach sieht es bislang nicht aus