Investment | 05. Juni 2020

Marktkommentar Mai 2020 : Unsere Positionierung

Lesedauer 3 Minuten 

 von Oliver Zastrow 

Marktüberblick

Die Infektionszahlen des Coronavirus sind erfreulicherweise in vielen Ländern der Welt, vor allem in den Industriestaaten, rückläufig. Nach Europa zeigt sich dieses Bild auch in den USA. Russland und Lateinamerika hingegen wie auch viele andere Staaten, gerade mit weniger gut entwickelten Gesundheitssystemen, trifft die Pandemie weiterhin mit voller Wucht.  

Der Weg zurück in die Normalität hat begonnen, ein scheinbarer Wettlauf um Lockerungsmaßnahmen ist in vollem Gange. Zuversicht auf eine baldige Rückkehr zum „neuen Normal“ treibt die Märkte mehr als der Respekt vor einer möglichen zweiten Welle.  

Auch wenn die Einordnung der weltweiten konjunkturellen Lage schwierig erscheint und auch die Ökonomen uneins über die Schwere der Rezession sind, ist klar, dass der größte Einbruch der Nachkriegsgeschichte bevorsteht. Umso erstaunlicher, dass die Börsen bereits wieder einen kommenden Aufschwung feiern. Über die Entwicklung seit den Tiefs Mitte März staunt der Laie und der Profi. Aktien- wie auch Rentenmärkte brennen seitdem ein Kursfeuerwerk ab. Nicht nur die Sektoren der „Stay at home“ Unternehmen, sondern mittlerweile auch die zyklischen Branchen erleben in diesen Tagen die Kauffreude der Anleger 

Es stellt sich die Frage, ob das nachhaltig ist, oder ob es auch an den Märkten aufgrund zu erwartender schlechter Unternehmenszahlen für das 2. Quartal  einen erneuten Absturz der Kurse geben wird?  

Klar ist, dass Staaten und Zentralbanken die Verschuldung massiv nach oben fahren werden. Es konkretisieren sich Aussagen zu Konjunkturpakten seitens der USA, China und der EU in einer nie da gewesen Größenordnung.  

Dies könnte ähnlich wie 2009 einerseits zu einer längerfristigen Inflation der Vermögenspreise führen und andererseits einen massiven Aufschwung auslösen und somit eine längerfristige Rallye an den Aktienmärkten. Anders als in der Finanzkrise 2008 erleben wir heute aber nicht nur eine Rezession in der Industrie, sondern auch im Dienstleistungssektor. Hier dauert eine Erholung normalerweise erheblich länger, da es weniger Nachholeffekte gibt. 

Es bleibt die viel diskutierte Frage offen, ob es aufgrund der Maßnahmen zu einer V-förmigen Erholung kommt wie es die Märkte momentan spielen oder doch zu einer U oder gar W-förmigen Erholung. Dabei ist von entscheidender Bedeutung, dass die Infektionszahlen niedrig bleiben und eine zweite Welle vermieden werden kann. 

Unsere Positionierung:

Aktien:

Unsere Käufe ab Mitte März, vor allem in Technologie und MedizintechnikAktien, verzeichnen mittlerweile deutlich zweistellige Kursgewinne. Erste Gewinne haben wir jetzt realisiert und die Aktienquote somit leicht reduziert.  

Unsere internationale Ausrichtung behalten wir aktuell beiverfolgen aber aufmerksam und mit zunehmendeSorge die Protstestwellen und die sich entladende Gewalt in den USA im Zusammenhang mit dem Mord an dem Afroamerikaner George Floyd durch US-Polizisten. Vor  dem Hintergrund der bevorstehenden Präsidentschaftswahl könnte die Situation weiter eskalieren. Donald Trump treibt die gesellschaftliche Spaltung zusätzlich an und droht sogar damit, das Militär gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen, sollte sich die Situation nicht beruhigen. In Europa profitieren aktuell insbesondere  zyklische Branchen, da durch die im Raum stehenden Hilfspakete der gerade in Deutschland und Frankreich deutliche konjunkturelle Impulse eingepreist werden. Diese Euphorie steht unserer Meinung nach aber  aktuell noch auf tönernen Füßen. Mit einer Ausschöpfung der Aktienquote  von 80% bleiben wir  weiterhin vergleichsweise hoch investiert 

Anleihen: 

Die Tendenzen aus dem April haben sich unter höherer Volatilität im Mai verstetigt. Die Zinsdifferenzen haben sich zum Monatsende hin weiter eingeengt. Risikoinvestments wie Hybrid Bonds, teilweise Emerging Markets und Corporate Bonds schlechterer Qualitäten sind gefragt.  Wir verstärken aktuell unsere defensiven Positionen und suchen eine Überrendite eher auf der Aktienseite. 

Rohstoffe: 

Wir haben nochmals die Position in Gold erhöht und sind in dieser Anlageklasse voll investiert. Wir betrachten Gold insbesondere als Versicherung” für erneut aufkommenden Turbulenzen an den Aktien- und Kapitalmärkten.  

Alternative Investments: 

Wir haben Prämieninvestments in den steigenden Markt hinein verkauft und die Kasse erhöht, um neue Positionen eingehen zu können. 

Worin unterscheidet sich unsere Vorgehensweise im Vergleich zu vielen anderen Marktteilnehmern? 

Wir steuern die Aktienquote sehr aktiv. Dieses aktive Risikomanagement bei Aktieninvestments kann sich in diesen Zeiten auszahlen. Unser Risikoindikator hat uns bereits Ende Januar Signale für eine signifikante Reduzierung der Aktienquote gesendet. Entsprechend haben wir die Quote reduziert und eine große Position an Liquidität aufgebaut. Ab Mitte März haben wir die Aktienquote wieder deutlich hochgefahren. Ziel ist es, ein positives Alpha, also eine Outperformance durch eine aktive Steuerung der Aktienquote zu erzielen. Eine weitere Alphaquelle sollte sich aus der Selektion der Titel ergeben. Eine hohe Kasseposition hilft in diesen Perioden handlungsfähig zu bleiben, neue Titel kaufen oder bestehende Positionen nachkaufen zu können. 

 

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