ZWISCHEN CRASH UND KONTER

AKTIEN

ZWISCHEN CRASH UND KONTER

Die schnellen und positiven Entwicklungen bei den Corona-Impfstoffen liefern den Aktienmärkten 2021 Rückenwind. Durch das starke chinesische Wachstum sind insbesondere Länder im Vorteil, deren Exporte einen hohen Anteil an der eigenen Wirtschaftsleistung haben. Deutschland gehört hier bekanntermaßen mit dazu.

Was für ein Jahr. Im ersten Quartal erlebten wir an den Aktienmärkten einen Crash in einer noch nie dagewesenen Heftigkeit. Dann folgte eine ebenso beeindruckende rasante Rally. Viele der Aktienindizes holten ihre erlittenen Verluste innerhalb weniger Monate wieder auf. In den USA stieg der Dow Jones im November sogar erstmals über die Marke von 30.000 Punkten. Zwar haben gegen Ende des Jahres erneute Lockdowns die Risikotoleranz der Anleger wieder gebremst, jedoch dürften sich Aktien unter den gängigen Anlageklassen 2021 mit am besten entwickeln.

In einem Punkt dürfte 2021 dem Jahr 2020 gleichen: Aktien werden sich weiter im Spannungsfeld zwischen hoher Bewertung und dem Mangel an Anlagealternativen bewegen. Gleichzeitig ist es schon erstaunlich, wie unaufgeregt die Anleger nach dem ersten heftigen Schock mit der Corona-Krise umgehen. Die wesentlichen Gründe hierfür sind die beiden GAMECHANGERN der milliardenschweren Konjunkturprogramme der verschiedenen Staaten und die global extrem expansive Geldpolitik der Notenbanken. Schließlich gab es von mehreren Herstellern von Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 gute Nachrichten. Und wie fast immer schauen die Börsianer voraus und beschäftigen sich schon heute mit der Zeit nach Corona, auch wenn diese erst in mehreren Monaten anbrechen dürfte. Dies hat teilweise zu einer markanten Ausweitung der Bewertungen geführt.

TECH TREIBT WALL STREET NACH OBEN

An den US-Börsen schnitten im zurückliegenden Jahr Titel aus den Branchen Informationstechnologie, Telekommunikation, Internethandel und Biotechnologie am besten ab. Gerade diese Aktien sind im S&P 500 hoch gewichtet. Ihr Anteil an der Marktkapitalisierung des Index beläuft sich auf fast 50 Prozent. Das entspricht fast dem Wert in der Spitze des New-Economy-Booms Ende der 1990er Jahre. Dieser dominierende Anteil der entsprechenden Werte erklärt zum einen das gute Abschneiden des S&P 500, zum anderen hat er dazu beigetragen, dass die Bewertung des S&P 500 – beispielsweise gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis – deutlich angestiegen ist.

Quelle: Bloomberg, eigene Darstellung

Zwar gehen auch wir davon aus, dass das Zinsniveau weiterhin niedrig bleibt, dennoch ist der Spielraum für dauerhaft noch höhere Aktien-Bewertungen in einigen Sektoren deutlich begrenzt. Zumal auch andere Sektoren des US-Marktes bereits teuer sind. Daher dürften die Kurse weitgehend nur in dem Ausmaß zulegen, wie sich auch die Perspektiven für die Unternehmensergebnisse verbessern.

ZYKLIKER AUSSICHTSREICH

Gerade bei der Gewinnentwicklung sehen wir jedoch Aufholpotenzial in den zyklischen Sektoren. Dies kann zum GAMECHANGER pro Europa avancieren! Denn diese Sektoren sind häufig in Europa vorzufinden. Die Unternehmensgewinne sollten nach unserer Prognose Überraschungseffekte nach oben vorweisen. Dies könnte dazu führen, dass Europa die Rolle des notorischen Underperformers 2021 abstreifen dürfte. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist festzustellen, dass die im Frühjahr 2018 begonnene Industrierezession beendet ist! Das hilft den europäischen Indices mehr als den amerikanischen. Zum anderen wurde das jahrelange Gerangel um den Brexit endgültig beendet. Die Unsicherheit, wie Großbritannien aus der EU ausscheidet, hat sich endgültig gelegt. Aber auch das erwartet starke Wachstum Chinas wird für Europa als großer Exporteur von hoher Bedeutung sein. Im Ergebnis einer sich fortsetzenden Sektor-Rotation, zu Lasten von Technologie-Titeln und zu Gunsten klassischer Konsumtitel würden europäische Aktienindices jedenfalls profitieren. China konnte als einzige große Volkswirtschaft das Jahr 2020 mit einem positiven Wachstum der Realwirtschaft abschließen – obwohl von hier aus das Corona-Virus seinen weltweiten Feldzug startete. Dieser Trend des hohen Wachstums dürfte sich auch 2021 fortsetzen. Angesichts der neuen Regierung in Washington gehen wir von einer Entspannung im Handelsstreit der USA mit China aus. Gepaart mit den gezielten Investitionen der chinesischen Regierung im Binnenmarkt wird dies zu einem weiteren Wachstum insgesamt führen.

KLAR IST

Die schnellen und positiven Entwicklungen bei den Corona-Impfstoffen liefern den Aktienmärkten 2021 Rückenwind – wenn auch unter erhöhter Schwankungsbreite. Durch das starke chinesische Wachstum sind insbesondere Länder im Vorteil, deren Exporte einen hohen Anteil an der eigenen Wirtschaftsleistung haben. Deutschland gehört hier bekanntermaßen mit dazu.

ERWARTE DAS UNERWARTETE

Trotz der Impfstoffe ist Corona nicht besiegt, ja nicht einmal flächenmäßig eingedämmt. Immer wieder breitet sich das Virus aus und belastet die entsprechenden Volkswirtschaften. Gleichzeitig entspannt sich auch unter Biden der Handelsstreit der USA mit China nicht – faktisch rüstet der neue US-Präsident nur verbal ab. Und die Folgen des Brexits übertreffen die schlimmsten Befürchtungen. Die Aktienanleger reagieren – nicht zuletzt aufgrund der hohen Aktienbewertungen – ziemlich verschnupft.