Kapitalmarktausblick 2024 - Geopolitik_Albrecht Kitta & Co. Unabhängige Vermögensverwaltung & Family Office

TRUMP & CHINA ALS SORGENKINDER

In Kürze

Die Geopolitik 2024 kann sich in verschiedenste Richtungen entwickeln. So tragisch die Kriege im Gazastreifen und in der Ukraine auch sind, wenden sich die Börsianer bei solchen militärischen Konflikten meistens schnell anderen Themen zu, zumindest solange es zu keiner Eskalation kommt. Risiken bürgen eher der politische Geisterfahrer Donald Trump und der unvorhersehbare Konflikt zwischen China und Taiwan.

Bislang ist es der Hamas nicht gelungen, den Iran in den Krieg mit Israel hineinzuziehen. So schlimm die Lage im Gazastreifen und auch in Israel durch immer neue Raketenangriffe und Attentate ist, für die Weltwirtschaft spielt sie eine völlig untergeordnete Rolle. Der Ölpreis hat auf den blutigen Angriff der Hamas am 7. Oktober nur recht kurzfristig reagiert. Hier hat sich der Spruch, dass politische Börsen kurze Beine haben, wieder einmal bewahrheitet.

Wie sich der Krieg in der Ukraine weiterentwickelt, hängt maßgeblich von den Hilfen der USA und Westeuropas für die angegriffene Ukraine ab, so die Einschätzung der Militärexperten. Aber auch dieses Thema spielt an den Finanzmärkten derzeit eine untergeordnete Rolle.

Die Börsianer lassen sich von den Kriegen bislang kaum beeindrucken.

Heikle Präsidentschaftswahl in den USA

Nicht zu unterschätzende Risiken gehen von der anstehenden Wahl in den Vereinigten Staaten aus. Die Umfragewerte für Biden sprechen derzeit ziemlich stark gegen seine Wiederwahl zum Präsidenten im November. Trump hat dagegen offenbar deutlich bessere Aussichten, falls er antritt. 

finden im Januar Vorwahlen in den USA statt

Eine Nominierung als Kandidat bei den Republikanern scheint zumindest derzeit sehr wahrscheinlich, wenn nicht eins seiner zahlreichen Gerichtsverfahren Trump einen Strich durch die Rechnung macht. Allerdings gibt es zurzeit für seine Konkurrentin Nikki Haley ordentlich Rückenwind. Sie kam in den TV-Duellen, an den Trump nicht teilnahm, gut an. Und derzeit kann sie umfangreiche Wahlkampfspenden einwerben. Die ersten Vorwahlen am 15. Januar in Iowa und am 23. Januar in New Hampshire werden erste Indizien liefern, ob Haley zu einer ernsthaften Konkurrentin für Trump werden könnte. Noch liegt aber der Ex-Präsident in den Umfragen klar vorne.

Fairerweise muss man sagen, dass es in der ersten Amtszeit von Trump sowohl für die Realwirtschaft als auch für die Finanzmärkte eigentlich ganz gut lief. Aber der Immobilienmogul bleibt politisch völlig unberechenbar. Außerdem hat Trump einen latenten Hang zu Diktatoren wie zu dem von ihm als „Raketenmann“ bezeichneten Kim Jong-un, dem „Obersten Führer“ Nordkoreas.

Trump ist und bleibt ein politischer Geisterfahrer.

Ein chinesischer Angriff auf Taiwan wäre fatal

Über das wahrscheinlich größte Risikopotenzial verfügt der Konflikt zwischen China und Taiwan. Der chinesische Präsident Xi Jinping hat klar geäußert, dass er dieses „Problem“ noch während seiner Regentschaft gelöst haben will. So ganz viel Zeit bleibt ihm nicht mehr. Xi ist 70 Jahre alt.

Ein Angriff Chinas auf das demokratische Taiwan hätte für die Weltwirtschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit wesentlich größere Folgen als der Krieg Russlands gegen die Ukraine. Sehr vereinfacht ausgedrückt, kamen aus der Ukraine ein paar Kabelbäume für Autos, die dann halt woanders beschafft werden mussten. Bei Taiwan handelt es sich aber um den mit Abstand weltweit größten Hersteller von Halbleitern. Und ohne Chips geht heute gar nichts mehr.

Ein Krieg Chinas gegen Taiwan würde die Weltwirtschaft schwer in Mitleidenschaft ziehen.

KLAR IST

Normalerweise haken die Finanzmärkte geopolitische Konflikte vergleichsweise schnell ab. Bislang ist das – auch wenn es zynisch klingen mag – sowohl beim Krieg im Gazastreifen als auch in der Ukraine der Fall. Über ein größeres Risikopotenzial dürften Trump und der Konflikt zwischen Peking und Taipeh verfügen.

ERWARTE DAS UNERWARTETE

Die Konflikte entschärfen sich. Die Ukraine und Russland einigen sich zumindest auf einen Waffenstillstand. Israel sieht die Ausschaltung der Hamas als so weit fortgeschritten an, dass der Krieg im Gazastreifen endet und der Konflikt zwischen China und Taiwan entspannt sich zumindest zwischenzeitlich. Trump tritt nicht an und die Amerikaner wählen die gemäßigte Haley zur nächsten Präsidentin. Hört sich leider alles nach „Wünsch dir was“ an.

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Anika Albrecht
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